Spanische Zeiten

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Fraga

Die Orangen

Portollano

2te Orangen

Nachsaison

Der Käfer

Endspurt

2te Prüfung

Die Mispero

Bei den Basken

Familienvater

Fraga

Eine der großen Nationalstraßen führt parallel zum Mittelmeer von Süden nach Norden(oder umgekehrt wie man will) . Auf dieser bewegte ich mich , schon bald merkend das die Moneten , nur für einen geringen Teil der Reise reichen würden . So entschloss ich mich , bei jeder Tankstelle ein paar Kröten zu erbetteln . Zuerst achtete ich noch auf die Nummernschilder , um meine Landsleute , deren Sprache ich nun mal am besten beherschte , zu fragen . Schnell stellte sich aber raus , das die Einheimischen wesentlich generöser waren .
An einer dieser Raststätten stand dann ein junger spanischer Mann , mit langen schwarzen Haaren . Ein "Heavy-Metall-Fan" sei er und heiße Bassilio , erklärte er mir nachdem er eingestiegen war . Während ich fuhr unterhielt er sich angeregt mit mir , nur mein Verständnis für seine Erläuterungen pendelte gegen Null . Wenige Tage zuvor hatte ich ein Wörterbuch erworben und das lag nun bei Bassi auf dem Schoß . Er fragte mich und redete auf mich ein , doch ich konnte ihn nicht verstehen . Er bekam allerdings schon etwas mit , denn er brauchte erstens nicht auf den Verkehr zu achten und zweitens hatte der Typ ja meine Übersetzungshilfe bei sich und konnte jedes von mir gesprochene Wort nachschauen . Die ganze Fahrt dauerte hunderte Kilometer und in dieser Zeit bekam ich immer wieder die Begriffe "Manzana" und"Trabacho" zu hören .
Irgendwann , wir waren ungefähr auf der Höhe von Barcelona , mußte Bassi nach links in das Landesinnere , während meine Fahrt geradeaus weiter nach Deutschland ging . Mein Mittfahrer hatte aber gut in den Tank gesponsert und so hielt ich es nur für recht , ihn in den Ort direkt zu bringen , in den er auch wollte . Das waren noch mal über hundert Kilometer und kurz bevor wir ankamen , war der Tank platt .Mit gemeinsamen Kräften schoben wir das Auto so ca. 30 meter den steilen Hügel hinauf , bis die Straße wieder abfiel und wir die letzten 2-3 kilometer in den Ort rollen konnten .
Der Ort heißt "Fraga" und Bassi war hier gut bekannt . Wir gingen in eine Punkkneipe , in der sich alle Anwesenden über Bassi und sein Mitbringsel(mich) freuten .
Wir hatten beide kein Geld mehr aber das Bier floß in Strömen , denn mein neuer Kollege hatte Kredit . Er war ein Fruchtpflücker , hierher gekommen da die Apfelsaison so langsam losging und schon das 5. oder 6te mal hier .
Die Ereignisse überschlugen sich jetzt . Unter meinen Habseligkeiten schlummerte noch ein fettes "Ei besten Ketama"(Haschisch) . Dieses Ei wollte ich eigentlich mit nach Hause nehmen , um meinen Kollegen in Deutschland mal zu zeigen was wirklicher "Shit" ist . Aber alle meine neuen Kumpel , schmissen mich gerade mit Bier zu und da wollte ich mich revanchieren . Schon lange hatte ich gesehen das man hier rauchen darf , so baute ich erst mal eine Rolle , die sofort nach fertigstellung ihre Runde machte . Die Leute waren hochbegeistert , denn ein gutes Ketama ist auch in Nordspanien wieder eine richtige Rarität . Das Krams war so gut das alle , die davon geraucht hatten , mir gleich wieder Bier sponserten . So langsam bekam ich jetzt auch mein Wörterbuch zurück und konnte erst mal nachgucken was das für Wörter waren , die mir Bassi versucht hatte nahe zu bringen .
Aha , Manzana = Apfel und trabacho = arbeit , sollte etwa ? Nachdem ich nachgefragt hatte , ob mein Verdacht denn richtig sei , lernte ich gleich noch ein paar Worte dazu . Jefe = Chef und Lunes = Montag , nach dem Wochenende hatte ich also Maloche , als Apfelpflücker .
War das eine Freude , wieder kein Geld und kein Sprit für das Auto und doch fühlte ich mich wie ein König .

Montag , meine erste spanisch Arbeit . Es ist herrlich , in den Bäumen rumklettern und Äpfel pflücken , wie in der Kindheit und auch noch Geld damit verdienen . Mein wahres Arbeitspotential stellen allerdings meine langen , sehr , sehr geherprobten Beine da . So wurde ich schon nach wenigen Tagen "Kubu-Men" . Kubu , so heißen die Eimer in denen die Früchte gesammelt werden , bevor sie in einer der großen Kisten auf dem Traktoranhänger , geschüttet werden . Als Kubumen war es nun meine Arbeit , den Pflückern die vollen Kubus abzunehmen und lehre zu reichen . Es machte Spaß . Zum ersten Mal in meinem Leben machte Arbeit , Spaß . Nicht das die Arbeit unanstrengend war , das war ein ganz schönes gekeule . Doch ich merkte das erste Mal , das eine Aufgabe , auch eine Einfache , erfüllend sein kann , selbst dann wenn sie anstrengend ist . Das ja keiner denkt , bis dato hätte ich nie richtig gearbeitet , ich hatte schon einiges Malocht , jahrelang Schichtarbeit und so . Aber ich habe meine Jobs einfach nur gemacht , notwendiges Übel um den Lebensunterhalt zu gewährleisten . Hier waren die Menschen freundlich zu mir und lachten untereinander . Niemand erzählte mir was ich besser machen könne oder gar wie ich meinen Kubu zu händeln habe . Zum ersten Mal in meinem Leben stand ich morgens auf und freute mich darauf , zur Arbeit zu können .
Zu verdienen gab es pro Tag so 3.000-4.000 Pesetas , das waren damals runde 50-70 DM , wovon ich mir 1.000 am Tag auszahlen ließ und den Rest zum Wochenende .
Vorerst schlief ich draußen , das mache ich gerne und das waschen konnte man an einen der zahlreichen Brunnen erledigen die überall in Spanien zur Erfrischung rumstehen . Außerdem gibt es in jeder spanischen Ansiedlung , Kneipen die morgens um 6 Uhr öffnen und wo man fürn paar Groschen , einen Kaffee ziehen kann . Die meisten bringen sich vom Bäcker noch ein Donut mit , das ist ganz normal und nicht mit dem hiesigen Verzehrzwang zu vergleichen .
Bassi lud mich ein zu einem Kumpel , dort zu schlafen , das lehnte ich aber ab , denn ich liebe mein ungezwungenes Leben , das jetzt von mir entdeckt wurde . Also fing Bassi an , mit mir da draußen zu schlafen , denn als mein Entdecker oder so , fühlte er sich für mich verantwortlich . Bald lernte ich allerdings Ulla(Name von der Redaktion geändert) kennen und das Ganze kam in eine neue Richtung .
Ulla war einige Jahre älter denn ich , zechte und kiffte gleich gern und ab und an rüsselte sie auch wenn sie dazu eingeladen wurde . Früher war sie wohl auch mal giftig(Junki) gewesen , nicht desdo trotz hatte sie erfolgreich zwei Bengels groß gezogen . Die waren sechs und der andere 12 jahre alt und hießen Ivo und Pal(Namen v.d.R.g.) . Der ältere , Ivo war blond und Pal dunkel . Eindrucksvoll , das erinnerte mich stark an meinen kürzlich verstorbenen Bruder . Auch er hatte dunkle Haare während ich blond(Straßenköterblond) bin , auch bei uns war der Altersunterschied so groß , auch unsere Mutter zog uns Alleinerziehend hoch . Pal hatte ich schon einige wenige Tage früher kennengelernt , als er an meinem Hemd zupfelte und immer Chuster zu mir sagte . In meinem Wörterbuch konnte ich nichts finden , des Rätsels Lösung : damals trug ich noch einen Schnäuzer und sah mit meiner großen Statur und meinen längeren blonden Haaren aus wie der große Bernd Schuster(Fussballspieler) der sein Geld in dieser Zeit bei Real Madrid verdiente und in Spanien ein absoluter Superstar war . Ziemlich oft passierte mir das jemand mich mit "Don Bernado" verwechselte und es kam auch schon mal vor das ich generös Autogramme verteilte . Die Spanier können kein "Sch" aussprechen(arme Kerle können keine deutschen Fäkalwörter sagen , man gut das sie Spanier sind) und so sagen sie eben Chuster statt Schuster .
Nachdem Ulla und ich uns näher kennengelernt hatten , dauerte es nicht mehr lange und ich gab meine wohlbehütende Freiheit auf und zog in ihr Haus . Sie hatte eine Putzstelle in der Bibliothek und wenn ich vom Apfelpflücken heimkehrte und Ulla hatte noch Arbeit , konnte ich in den Büchern auf ihrem Arbeitsplatz nachlesen(mein spanisch wurde jetzt zusehends besser) , das "Fraga" , der Ort in dem wir lebten von einem deutschen König(Völkerwanderung) gegründet wurde . Überhaupt , spanisch lernen . Das viel mir sehr leicht und mein Hang , Erwachsenen-Comix zu frönen , förderte das ganze noch , denn Spanien ist voll mit solcher Literatur und so manche Geschichte kannte ich schon aus deutschen Heften . Da soll noch einer sagen Comik lesen schadet .
Ulla und ich schmissen das Geld in eine Kasse und wir lebten richtig Familie . Es war das erste mal in meinem Leben das ich so etwas wie einen Familienvater darstellte .

Seit nicht ganz einem Jahr war ich zu diesem Zeitpunkt schon richtiger Vater(Perdona , Erzeuger , Vater sein ist noch was anderes) !
Nehme stark an das , das einer der Hauptgründe für den Aufbruch in ein anderes Land war . Abgesehen von meiner Rastlosigkeit .
Die Geschichte mit der Mutter , war nämlich schon gelaufen(im 7ten Monat der Schwangerschaft habe ich erfahren das da was auf mich zukommt). Ein neuer Typ war auch schon da . Also , Flucht nach vorne .
Mit dem jungen(erstmalig) Führerschein und dem ersten Auto(Käfer 350.- DM) , auf in mein Lieblingsland .

Hm , vielleicht hat mein Schicksal das auch so gesehen . Wenn schon Erzeuger , dann auch den Papa machen . Wenigstens ein bischen ! Es geht um das Lernen glaub ich .
Mit den beiden Jungs kam ich ganz gut klar . Mein Kind , eine kleine süße Tochter , hatte ich aber schon gesehen und diese emotionale Bindung konnte ich nicht zu den Knaben aufbauen .
Trotzdem fand ich die Rolle des Vaters nicht schlecht . Man kann gut vergleichen mit seiner eigenen Kindheit und Sachen die als Junge nicht so klar waren , aus einem anderen Blickwinkel , nämlich dem des Erwachsenen , sehen und verstehen . Interessant fand ich auch das Spielzeug . Ivo(der ältere) hatte , genau wie ich in meiner Kindzeit , aus einem Gewehr ähnlichen Brett , 2 kleinen Nägeln , einer Wäscheklammer und einem Einweck-Gummi , einen Schussapparat zusammengebaut . Diese Parallelen . Aber auch sonst fühlte ich mich in meine Kindheit zurück katapultiert , jedenfalls was die Spielsachen betraf . Spanien war zu jener Zeit noch nicht so technisiert -sagen wir besser amerikanisiert- wie wir Deutschen etwa . Spiele wie z.B. Schnitzeljagd -die ich persönlich für viel kreativer halte- waren hier noch der Alltag und nicht die Ausnahme .

Es wurde Herbst und die Äpfel weniger , glaub Ulla hätte mich gern noch ein bischen behalten , doch es gab nichts mehr zu verdienen . Schlussendlich war ich ganz froh darüber , der Nomade in mir meldete sich nachdrücklich und so wurde Abschied genommen . Chronologisch gesehen war die nächste Frucht die Apfelsine , zu der machte ich mich auf den Weg . Ulla und ich verabredeten noch vage ein Treffen , zu der sie sich mit einer gemeinsamen Freundin auch irgendwann mal aufgerafft hatte , jedoch konnte sie mich nicht finden , wie sie mir später einmal erzählte .

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Die Orangen

Also wieder "On the Road again" . Es ist mit das schönste was ich kenne , im Auto sitzen , die Landschaft fließt vorbei und verändert sich dabei langsam und die Straße wird gefressen . Über allem dieser blaue Himmel und die Sonne scheint und lacht dabei in mein Gemüt .
Die Apfelsinen oder besser erstmal die Mandarinen(sind früher reif) wachsen hauptsächlich im Pais=Land "Valencia" . Die gleichnamige Stadt ist Hauptstadt dieses Bundeslandes . Mit einigen anderen Fruteros , hatte ich mich in einem bestimmten Ort verabredet , doch ich war zu früh da , es waren noch keine Früchte reif und so zog ich weiter . Dahin wo schon geerntet wurde . Der Ort der mir dabei unterkam hieß "Val d UXO" . Diese kleine Stadt hatte eine kommunistische Regierung , was in Spanien nix besonderes ist . Immerhin hatte man hier 40 Jahre Faschismus(Franco) , gerade hinter sich gebracht und so ist "Kommunismus" in Spanien kein übles Wort , sondern eine Möglichkeit , die Politik zu gestalten . Immer wenn ich in Gemeinden dieser Politform aufschlug , stellte ich fest , das der einfache Bürger mehr Knete zur Verfügung hatte , als anderswo . Auch hier wieder , eine gute Wahl getroffen mit dem Dorf , denn die Mandarinen , brachten dem Pflücker hier ein paar Pesetas mehr ein , denn anderswo .
Am nächsten Morgen suchte ich eine Pinte , dort treffen sich die Arbeiter und ich fragte nach trabacho .Die Apfelsine ist eine verrückte Frucht , b.z.w. die Leute die pflücken und erst recht die , die pflücken lassen , sind verrückt . Mit der Apfelsine wird viel mehr Geld verdient als mit anderem Obst und so herrscht in den Zeiten der Reife , etwas das man am besten mit Goldrausch beschreiben kann . Gleich am nächsten Morgen fuhr ich mit raus ins "Campo" und merkte bald , das ich in einem Billigladen gelandet war . Die Arbeiter kamen aus aller Herren Länder und man mußte aufpassen das einem niemand die vollen Kisten klaute Baum für Kletterkünstler . Die Bäume trugen wenig Früchte und waren so hoch das klettern , normal war . Außerdem gab es viel weniger Kohle . In den seriöseren Campos bekam man einiges mehr . Das erfuhr ich nur langsam , nach und nach . Eine Frau erzählte mir das ich gut wäre und mein Geld leichter verdienen könne . Nachdem am Wochenende der Lohn gezahlt war , suchte ich nach einem neuen Job .
Die Frau hatte mir noch erzählt in welchen Gasthäusern man ansprechendere Leute , mit besseren Fincas finden kann . So landete ich in der darauffolgenden Woche in einer Truppe die aus lauter Rentnern bestand . Die Campos waren noch nicht die Creme , aber viel besser denn das vorherige . Auch der Lohn war ein größerer . Die alten Haudegen waren früher wohl mal richtige Cracks gewesen , doch die Orange will präzise und vor allem schnell gepflückt werden und dazu reichte es bei ihnen nicht mehr . Allerdings waren sie immer noch eine Klasse schneller und besser als meine Wenigkeit und ich konnte von ihnen gut lernen . Einige Wochen blieben wir zusammen , meine Geschwindigkeit wurde besser , doch so gut wie meine Rentnerband war ich nicht .
Nun begann die Hochsaison und aus ganz Spanien trafen jetzt die Super-Pflücker ein . Die , die nicht unter 7.000 Pesetes am Tag nach Haus gehen . Auch meine Kolegen , die ich ja teilweise schon kannte , waren unter ihnen . Auch Bassi . Bald schon hatten wir eine Junta gefunden bei der wir mitmischen konnten , nur , wir waren zu langsam . Wir mühten uns redlich , aber das was die anderen vorlegten , konnten wir nicht halten . Um unser Leistungsniveau zu erhöhen haben wir einmal sogar gerüsselt , doch so geht das nicht . Die anderen machten 40 und wir nur 35 Kisten , entnervt gaben wir nach einer Woche auf . Eine Liga nach unten zu gehen , kam für Bassi nicht in Frage , so folgte ich seiner Einladung , mit in seine Heimat , nach Portollano zu kommen .
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Portollano

Diese Stadt liegt in der Extremmadura , einem spanischem Bundesland , an der Grenze zu Portugal(ein Teil der Extremmadura ist portugisisch) und Andalusia . Extrem , das Wort kennen wir alle , und dura(eigtl. duro) steht für trocken . Extremtrocken heißt das Land also und so kommt es auch rüber . Im Sommer hab sogar ich meine Schwierigkeiten in dieser Region , doch jetzt war Winter und es war Kalt und Naß . Kälter als man es in Spanien erwartet , auch zu dieser Jahreszeit und feucht . Ultrafeucht sogar , dabei regnete es nicht , sondern die Luft war geschwängert mit Wasser . Das heißt das da Nebel war und was für einer . So eine Suppe hab ich nie wieder erlebt , es war so nebelig , das wir das Licht -im allerbesten Fall- , keine zwei meter weit sehen konnten . Die Feuchtigkeit legte sich auch auf die Scheiben des Käfers und der Scheibenwischer leistete Schwerstarbeit . Das war einfach unglaublich , bei jeder Runde die die Wischer drehten schmissen sie eine dermaßene Menge Wasser von der Scheibe , wie ich es selbst bei tropischen Gewittern nicht erlebt habe . Wir fuhren genau in der Straßenmitte , wegen der Mittelstreifen und meine Seitenscheibe war runtergedreht , damit ich meinen Kopf raushalten konnte , um wenigstens ein bischen zu sehen . Wenn wir schnell fuhren dann waren das so 30 Sachen und Gottseidank , waren wir die einzigen Verrückten die sich auf der Straße rumtrieben . Viel später kamen wir in Bassis Heimatstadt an und die Suppe hielt sich auch hier . Seitdem war übrigens auch mein Scheibenwischer kaputt , den Motor der Anlage , hatte es bei der Schwerstarbeit einfach zerrissen . Das Auto stellten wir ab , so das es keiner übersehen oder aus Versehen reinfahren konnte . Dann tasteten wir uns weiter , zum Haus von Bassi .
Wir begrüßten die Anwesende , das war Bassis Mutter , dann zeigte er mir ihr Haus und meinen Schlafplatz . Besonders spät war es noch nicht , so zogen wir beide erstmal weiter in Bassis Stammpinte . Das war nicht besonders weit , aber noch immer war es nebelig und das dauerte eine Zeit bis wir ankamen . Wenn ich mutmaßte das wir vielleicht vom Weg abgekommen waren , beruhigte mich mein Kumpel lachend , schliesslich wäre er den Weg schon X-mal und vor allem Hackenbreit gelaufen und richtig , nach einer gewissen Zeit schlugen wir dort auch auf . Es war eine Heavy Metall/Punk-Kneipe wie ich das auch bei Bassi erwartet hatte und ich fühlte mich auch gleich wohl . Ein guter Abend wurde das noch , wir soffen uns mächtig die Kappe ab und ausserdem habe ich keine Ahnung mehr wie wir wieder ins Haus kamen .

Zum schlafen teilte Bassi mir das Zimmer seiner Schwester zu , die ebenfalls Früchte pflückte und derzeit in den Orangen weilte . Das Zimmer ging nach hinten raus in den Hof , indem auch ein Esel sein Dasein fristete . Dieses Huftier hatte eine merkwürdige Eigenschaft ansich . Jede Nacht , recht pünktlich um 12 Uhr , brüllte es herzzerreißend und mich jedesmal wachmachend , sein lautes "I-Ah" in die Nacht heraus . Es war irgendwie Angstmachend , obwohl ich nicht unbedingt ein ängstlicher Typ bin und die Luft war voll mit einer unglaublich starken und bedrückenden Simmung . Wenn ich Bassi darauf ansprach , schüttelte er nur seine Achseln und druckste rum . Nachdem ich einige Zeit später , mit Vicenta , so heißt Bassis Schwester , darüber geredet hatte , klärte sich einiges auf . Sie erzählte mir folgende Geschichte . Vor einigen Jahren war eine Nachbarin , die alleinlebend sehr dem Alkohol zugesprochen hatte , in der angrenzenden Wohnung gestorben . Im Schlaf war sie von einem Wohnungsbrandt überrascht worden . Die Wohnung muß zu dem Zeitpunkt , indem sie Wach wurde wohl schon lichterloh in Flammen gestanden haben , jedenfalls kam sie nicht mehr heraus und verbrannte . Das ganze passierte um Mitternacht und der Esel erlebte dieses Szenario , Nacht für Nacht wieder . In der Zeit in der der Esel schrie , überkam mich nicht nur ein beklemmender Zustand , sondern auch ein seltsames und unschönes Gefühl , nicht allein zu sein . Vicenta bestätigte nicht nur meine Erlebnisse , sondern sie hatte die Nachbarin sogar mehrmals um diese Zeit , als durchsichtiges Wesen gesehen . Das Zimmer grenzte auch genau an das Schlafzimmer in dem die Nachbarin verbrandt war . Bassis Schwester erklärte mir noch , das sie nie wieder in ihrem Zimmer schlafen würde und wunderte sich über mich , das ich es solange darin ausgehalten hätte . Zu Bassis Erklärungsnot , fällt mir nur ein , das er wohl zu den Menschen gehört , die sich vor unerklärlichen Sachen dermaßen fürchten , das sie einfach zumachen , wenn man sich mit ihnen über so etwas unterhalten möchte .
Er hatte im übrigen noch einen Zweitjob , neben seiner Fruchtpflückerei , das war das knüpfen von Freundschaftsbändchen . Diese Bändchen kennen wir alle . Aus farbigen Wollfäden werden schmale Armreifen mit Mustern geknüpft . Diese Bändchen kauft man sich nicht selber , sondern sie werden einem geschenkt . Darum Freundschaftsbänder . In mühseliger Heimarbeit fertigte mein Kumpan , Nacht für Nacht , dutzende von diesen Dingern , während wir um einen großen runden , beheizten Tisch saßen und uns unterhielten . Auch ich probierte mich darin , nur meine groben Finger streben nach anderer Tätigkeit . Die Versuche scheiterten kläglich . Ein Hammer passt einfach besser in meine Hand , denn eine Stopfnadel .
Ein Satz noch zu den beheizten Tischen . In vielen Wohnungen und Häusern in Spanien , gibt es keine Öfen oder Heizungen . Nun gibt es auch in diesem Land kühlere Zeiten und da kommen diese Tische ins Spiel . Sie sind groß(mindestens 6 Personen) und rund . Unten im Tisch zwischen den Beinen , ist ein Gestell eingebaut , indem eine Blechpfanne liegt . In diese Pfanne kommt glühende Holzkohle , noch ein Schutzsieb darüber , damit sich niemand die Füße verbrennt und eine große Decke über den Tisch , die bis zum Boden reicht . Alle stecken ihre Beine unter die Tischdecke und es ist mollig warm , obwohl nur der Unterkörper beheizt wird . Die Holzkohle glimmt stundenlang , ohne das nachgefüllt werden muss und ich fand das ganze sehr Energieschonend . Außerdem sitzen alle um diesen , meißt einzig beheizten Platz im Haus und das ist sehr gesellig und unterhaltsam .
Nun , trotz aller Unterhaltung wurde mir das langsam zu dröge , ich war jetzt schon einige Zeit hier und bekam wieder Hunger auf die Suche nach dem Leben .
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2te Orangen

Es war kurz vor Weihnachten , als ich wieder in Val d Uxo eintraf . Mittlerweile war es richtig kalt geworden , so das an draußen schlafen , nicht mehr zu denken war . Ein Hotel wollte umgerechnet 11.- DM/Nacht von mir , da checkte ich ein . Sogar als zweitklassiger Pflücker , kann man sich das leisten und ab der 2. Woche veringerte der Preis sich noch , so das es nur noch ca. 7.- DM waren . In den Gasthäusern suchte ich wieder nach einem Job , bis mir ein paar alte Bekannte unterkamen . Es waren einheimische Junkis , die es Aufgrund ihres Lasters schwer hatten , in seriösen Campos(und nur da kann man richtig gut verdienen) unterzukommen . Für sie war ich ein Glücksfall , denn ich hatte ein Auto und als Einheimische , hatten sie die Connektion , um uns Orangen zu besorgen . Trotz ihrer Droge gehörten sie zu diesen Superpflückern . Es begann eine heftige Zeit für mich , denn der schlechteste unserer Gruppe war ich . Sowas bin ich nicht gern , aber so sehr ich mich auch mühte , immer wieder hallte der Ruf durch die Fincas "Stefan pflückt 4 zu 5 . So peinlich .
Kleine Erklärung : Zwischen den Beinen des Pflückers steht ein Kübel , der , bevor er nicht voll ist , nur mit den Füßen , bewegt wird . In ihn fallen die gepflückten Mandarinen und erst wenn er voll ist , wird er aufgenommen und zur Waage getragen . Ein Baum wird immer von 2 Fruteros bedient . Sie stehen Schulter an Schulter , einer pflückt linksherum der andere rechts , bis man sich wieder an der anderen Seite trifft . So weiss ein Arbeiter immer was sein Baumkolege am Schaffen ist . So kam es denn zu diesen , nervigen aber gerechtfertigten 4zu5 Rufen .
Gut zu pflückender Baum Jetzt könnte man meinen , ja ist doch egal , bekommt er halt nicht so viel von den Dineros ,wie die anderen . Doch ganz so einfach ist das nun auch nicht . Erstens ist das gegen die Ehre der Junta . Zweitens wird dieses um den Baum pflücken , als Wettstreit angenommen , um das Level des Pflückers hochzuhalten . Ein ewiger Zweikampf mit seinem Baumkumpanen . Darum werden auch immer zwei Gleichstarke , an einen Baum gestellt . Da konnte ich mich anstrengen , wie ich wollte , keiner war Gleichschwach wie ich . Nur Mittags und Abends , wenn den Kerlen das Gift ausging , konnte ich halbwegs mit ihnen mithalten .
Junge , Junge , war das ein Generve , jeden Feierabend , auf der Nachhausefahrt . Die von ihrer Droge , ausgehungerten User , hackten auf mir rum , bis es mir aus beiden Ohren wieder rauslief .
Da könnte man ja meinen , warum tut er sich das denn auch an ? Pflücken kann er doch , warum geht er denn nicht eine Klasse tiefer und verdient halt etwas weniger ? Nun , zu diesem Zeitpunkt , gab es keine Plätze mehr , für Leute mit normalen Frutero-Qualitäten . Ganz Spanien weiß , das in den Orangen , gut Knete verdient wird . So war alles schon belegt . Es wurden nur noch welche gebraucht , die ganz schnell und präzise , eben mal eine Finca lehrpflücken konnten . Ohne Alicates , eine Schneidzange , mit einer Metallfeder , die das Ernten erleichtert . Wir , auch ich , holten das orangene Gold , mit unseren Händen von den Bäumen . Das ist schwieriger , aber auch schneller .
Zum Vergleich : in den Billig-Campos war ich mit über 20 Kisten , am Tag , einer der besten . Kerle , wie etwa meine Rentner , machten so an die 30 . Wir gingen nie unter 40 , in den Feierabend und genau solche , die in wenigen Stunden , mal eben ein Campo "Reinigen" konnten , waren jetzt gefragt . Darum war der Käfer auch so wichtig . Ist eine Frucht fertig , muss man sofort zum nächsten Ort können , um seiner Arbeit weiter nachzugehen .
So quälte ich mich also durch die Tage , lukrativ bezahlt , aber unglücklich . Bis mein Kopf das Gepresse , nicht mehr aushielt und es zu jenem(siehe auch : die Reinkarnation) , denkwürdigen und eindrucksvollsten Deja-Vu , meines Lebens kam .

Von einem Moment auf den anderen , konnte ich jetzt so flink , die Mandarinen von den Bäumen holen , wie der Rest meiner Mitstreiter . Das war echt Irre .
Jetzt kann man nicht einfach nur , dem Gezeiten- und /oder Körper - unabhängigem Gedächnis , die Schuld , für diesen Aufschwung in die Schuhe schieben . Auch Komponenten , wie die kleine Pause , in Portolano(sowas ist oft gut , wenn sich Körper und Geist , mal erholen können) , hatten ihren Anteil . Auch der geistige Druck , der auch von mir selber , auf mich , beziehungsweise meinem Gehirn , ausgeübt wurde , spielten eine Rolle . Um sagen wir mal , eine Lösung für mich zu finden .
Nun kamen noch andere Sachen ins Spiel , die meinen neuen Höhenflug , noch unterstützten . Das eine , waren meine unglaublich gehfreudigen Beine . Jedesmal wenn ein Baum fertig war , mußte man eine Reihe weitergehen . Orangenkisten Eine Reihe weiter weg , von der Waage , die bei der ersten Baumreihe aufgestellt wird und wo alle Apfelsinen , gesammelt werden . Das heißt , jedesmal 5 bis 7 meter , die bis zu der Waage mehr gegangen werden mußten . Das waren dann manchmal , an die hundert Meter und das ist kein Pappenstiel , mit über 20 kilo auf der Schulter . Eine andere , Ursache für meinen neuen Höhenflug , war , das die Mandarinen , mehr oder weniger fertig waren . Jetzt wurde die Orange reif . Diese Frucht wiederum , ist wie wir wohl alle wissen , wesentlich größer und schwerer , als ihre kleinere Verwandte . Mit meinen großen und auch groben Händen , war ich auf einmal im Vorteil . Jetzt wurde ich vom Tollpatsch zum Geschickten , hatte meinen Kübel schneller voll und damit nicht genug , meine Füße , trugen mich auch wesentlich schneller zu der Waage . Bei so großem Obst , wie die Orangen nun mal sind , wurde der Kübel/Kabasso , natürlich auch viel häufiger als wie bisher , 40 mal am Tag , gefüllt .
Jetzt hechelten die Junkis hinter mir her , das Blatt hatte sich gewendet .
Mittlerweile , rückten die Festivitäten , wie Weihnacht=Navidad und Sylvester , näher . Normaler Weise , bin ich kein großer Fan , solcher Partys . Obwohl es für die Kids , klasse ist , wenn sie mit großen Augen , vor dem geschmückten Weihnachtsbaum stehen und auf die seit Wochen besprochenen Geschenke warten .
Doch die Spanier , können Feiern und so war ich gespannt , wie sie dieses Fest interpretieren würden . Nun , die Geschenke für die Kinder , gibt es erst am 6. Januar(heilige drei Könige) und das , finde ich garnicht so schlecht , denn der kleine "Jesus" , hat ja seine Geschenke auch erst , bei der Ankunft von Kaspar , Melchior und Balthasar bekommen . Jedenfalls , wie die Geschichte uns unterbreitet wird .
Es gibt auch keinen rausgeputzten Tannenbaum . Was ich auch nicht schlecht finde , meines erachten nach , sterben schon genug Bäume , wir brauchen nicht jedes Jahr , Millionen von Pflanzen umbringen , nur für ein paar Minuten , Glanz inne Augen ! Wieso der gemeine Spanier , jetzt keine Weihnachtsbäume kennt , weiss ich nicht so genau . Nehme allerdings an , das es einfach daran liegt , das es nicht so viele gibt , denn bei uns im feuchterem Klima , Mitteleuropas . Allerdings , scheint auch das , mal wieder , auf Selbstverschuldung hinauszulaufen . Die Spanier , wollten vor rund 500 Jahren , unbedingt See-Großmacht werden und bauten ihre riesige "Armada" . Dafür holzten sie riesige Mengen , ihres Baumbestandes ab , so nach dem Motto : wächst ja wieder nach . Doch die Natur , ist unglaublich eingespielt und wenn man Ihr , einfach eine Komponente wegnimmt , so hat das seine Auswirkungen . In diesem Fall eben , das Nicht-Nachwachsen , von neuen Bäumen . So hatte der Boden keinen Schutz mehr , vor Winden und Regen und verkarste und trocknete aus . Wahrscheinlich , hätte Spanien , heute ein anderes Klima , nicht ganz so trocken und etwas mehr Regen vielleicht , wenn damals , nicht so unglaubliche Flächen , abgeholzt wären .
Übrigens , kein Grund mit den Fingern , auf Unsere europäischen Kollegen zu zeigen . So rund 1.000 Jahre vor Ihnen , haben wir(damals hießen wir noch Germanen) , die heutige "Lüneburger Heide geschaffen . Unsere Vorfahren , brauchten neues Ackerland , um die anwachsende Bevölkerung ernähren zu können . So starteten sie Aktionen , wie die Erschaffung der Heide . Auch die Völkerwanderung , in der sie oftmals , plündernd und raubend , durch ganz Europa , bis nach Afrika zogen , gehörte zu ihrem Überlebenskampf . Selbstbeherrschung !
Jedenfalls , zelebrieren Spanier , Weihnachten ohne Baum . Auch wird das Fest , nicht im heimischen Wohnzimmer , sondern im allgemeinen draußen , unter den Augen der Öffentlichkeit , gefeiert . Erst geht man was Essen , in einem Restaurant , danach wird gefeiert , heißt : trinken und singen und tanzen . Eigentlich , so wie jedes spanische Fest .
Zum Beispiel , Sylvester . Diese Fiesta , unterscheidet sich insofern von der vorhergegangenen , das sie wesendlich heftiger und hemmungsloser daherkommt . Es wird lange nicht soviel geballert , wie wir das kennen und mehr Wert , auf das leibliche Wohl gelegt . Die Masse , bleibt auch länger auf und morgens um 6 Uhr , gibt es , für die Überlebenden , Spritz-Gebäck , in heiße Schokolade getunkt .
Die Feiertage gingen , die Apfelsinen , holten uns in den Alltag zurück . Unsere Junta wurde größer . Wir hatten uns , trotz unserem giftigen Beigeschmack , den Ruf der Seriosität erobert . Man mochte mit uns zusammenarbeiten . Mehrmals wurde ich noch auf meine frisch erworbenen Qualitäten angesprochen . Jedes mal wies ich auf meine , für spanische Verhältnisse , sehr großen Hände und langen Beine hin und behielt die wahre Ursache für mich . Jose , ein junger Mann , den ich erst jetzt kennenlernte , da er sein Geld , bis jetzt am Mittelmeer , als Camarero=Kellner verdient hatte , erklärte mir , das es eigentlich nur junge Leute , so im Alter von 15/17 Jahren , im ersten Jahr schaffen , ein Ultra Pflücker zu werden . Das alles machte mich ziemlich stolz , hielt mein Erlebniss aber trotzdem für mich . Wer glaubt einem sowas auch ?
Die Knete wurde Freitags , in eine der Kneipen ausgezahlt und bei uns am Tisch , gab es immer die meiste . Für einfache Leute , lebten wir nicht schlecht und die Kneipen , die des Nachts , lange auf hatten , lebten nicht schlecht von uns . Der Januar , der auch in Südwest-Europa , der kälteste Monat ist , ging so langsam und man konnte die Orange wieder anfassen , ohne dabei Krämpfe in die Finger zu bekommen .
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Nachsaison

Mit den Auswärtigen Pflückern , bezog ich eine Wohnung am Strand . Das war eine typische Ferienbehausung , in einem Appartement-Komplex . Im Sommer , zur Touri-Zeit , kostete die Miete sicherlich erheblich mehr aber jetzt im Winter , waren das nur kleine Preise . Unser Block stand in einer Ansiedlung , von lauter anderen Touristentürmen . Es gab nicht mal einen Ortskern , das war eine richtige Geisterstadt . Wenn der Wind , den Mittelmeersand und alte Plastiktüten , durch die lehren Straßen bließ , konnte es einem sogar ein bischen Unheimlich werden . Noch nicht mal einer von diesen Straßenkötern , war zu sehen .
Einmal , beim rumstreunen , durch die Ortschaften , lernte ich einen Typen kennen . Er war Deutscher und sagte er würde , so durch die Gegend ziehen . Obwohl er mir nichts erzählen konnte , suchte er doch irgendwie meine Nähe . Das ist ungewöhnlich , denn wir Streuner , haben uns immer was zu erzählen und suchen die Nähe anderer , weil wir von ihnen , die Geschichten hören können , die wir selber suchen . Jedenfalls suchte der Knabe auffällig meine Umgebung und um sich interresant zumachen , bot er mir eine Begebenheit an . Wenige kilometer weiter , gäbe es ein Dorf , dort würde ein Mensch leben , der hätte das "Gorilla-Syndrom . Ob ich das kennen würde . Nein kannte ich nicht , nie gehört . Bin normal nicht der Zoo-Gänger , aber irgendwie , na ja , gucken wir mal . In dem Ort angekommen ,lugten wir vorsichtig durch die Scheiben des Dorf-Gasthauses . In diesen Gaststätten , trifft sich die gesamte Ortsbevölkerung , spielt Billard oder Karten , guckt Fernsehen und trinkt Cafe oder Bier . Dorfgemeinschaft eben . Der angesprochene war auch da . Regelrecht erschrak ich , sowas hatte ich noch nie gesehen . Dieses menschliche Wesen , konnte man nur schwer als solches erkennen . Nur in seinem Heimatdorf , wo ihn jeder von klein auf kannte , konnte er leben . Woanders wird dieses Wesen nur angestarrt , gehänselt oder gar gejagt . Der Mensch spürte meine Blicke wohl und schaute zu mir . Ertappt wich ich von der Scheibe und ging zurück zum Auto . Das Wort Gorilla war echt treffend . Er hatte einen riesigen Kopf , geformt , wie der dieser Menschenaffen . Dazu eine bläulich , schwarze Haut . Später habe ich mich darüber mal schlau gemacht . Die Krankheit heißt wirklich so , es gibt nur wenige tausend Wesenheiten dieser Art und wieso man sowas auffallendes nicht sieht , beschreibe ich ja gerade . Wir sind die Unmenschen , wenn wir so etwas nicht in unserer Nähe dulden !
Auf der Rückfahrt , laberte der Typ mich die ganze Zeit über Drogen voll und ob ich nicht nen Schlafplatz für ihn wüßte . Auf einmal schnallte ich was der von mir wirklich wollte . Von solchen Leuten hatte ich schon gehört , deutschen Drogenpolizisten die sich am Mittelmeer rumtreiben , um irgendwelche Kuriere und/oder ihre Kanäle aufzudecken . Hatte schon befürchtet , der wollte was von mir . Oh , da hatte ich jetzt aber wirklich was für ihn . Es ist so schön wenn man helfen kann . Unsere Mittelmeer Wohnung , vollgepackt mit meinen Junkis . Da brachte ich ihn hin , stellte noch meine Mitbewohner vor , damit er auch Unterhaltung hat und ging ins Bett . Am nächsten Morgen schmissen wir ihn aus der Bude , bevor wir zur Arbeit aufbrachen , da hat er aber gestaunt , das unsereins arbeitet , denn er dachte das wir ganz andere Freaks wären .

Expressomaschine Es wurde Frühling und ein Typ , bot mir an , in seinem Gartenhäuschen zu schlafen , ich müsste es nur ein bischen in Schuss halten . Gemacht . Kennt Ihr diese südländischen , schraubbaren Expresso-Kannen ? So eine war in meinem Besitz und auch ein kleiner Camping-Gaskocher . Jeden Morgen , schlürfte ich meinen frischgebrühten Kaffee , bevor ich runter in die Kneipen zog , um mich mit meinen Arbeitskollegen zu treffen . Das mit dem Kaffee morgens , ging ganz schnell . Abends wurde das Pulver eingefüllt und morgens nur noch auf den Kocher gestellt . In wenigen Minuten , sprudelte das heiße Gesöff , gerade kurz genug , um noch eben die Zähne zu putzen . Dieses Leben mag ich !

Das Leben in den Orangen , wurde jetzt ruhiger . Die Hochsaison war gelaufen und viele Pflücker verließen die Gegend und fuhren wieder zurück , in ihre Heimatorte . Für die Dagebliebenen , gab es aber noch genug zu tun . Es regnete häufiger , denn es war Frühjahr und wenn es regnet , wird nicht gepflückt . Die Apfelsinen , werden nach dem sie vom Baum geholt werden , sofort in ein Kühlhaus gebracht , damit sie haltbar bleiben . Befindet sich noch Wasser , an der Frucht , platzt die Schale beim gefrieren der Feuchtigkeit . So kam es , das man jetzt immer wieder , freie Zeit hatte , wenn ein Gewitter hereinbrach .
Einmal , es hatte mehrere Tage geregnet , also stand auch kein Job an , stöberte ich in den kleinen Städtchen am Mittelmeer , nach etwas Abwechselung . Einige dieser kleinen Orte , gaben ihr Geisterstadtdasein so langsam auf und füllten sich wieder mit Leben . Das waren noch so gut wie keine Touristen , eher Bauern und Besitzer von Bars , die sich langsam auf das Urlaubgeschäft einließen . Auch viele Marrokaner , deren alljährliche Überschwemmung Spaniens , jetzt anbrach . Mein Bares war aufgebraucht , das Auto hatte kaum noch Sprit , keine Maloche , aufgrund der Feuchtigkeit . Fast kam so etwas wie Verzweifelung auf .
Einer der einarmigen Banditen , die in jeder Pinte dieses Landes rumstehen , starrte mich an . Nun , ich bin kein Spieler , meine Götter , hatten mir schon früh gezeigt , das ich mit dieser Art von Laster , nüscht zu tun haben soll . Im allgemeinen hielt ich mich auch daran und ging dem Glücksspiel , welcher Art auch immer aus dem Weg . Doch dieser Automat , wollte irgendetwas von mir und so bekam er , einige meiner letzten Münzen . Gerade wollte ich mich abwenden , da sagte einer der Nordafrikaner zu mir , "Eyh Alter" , dein Kasten hat geschmissen und "dafür will ich aber was abhaben" . Bekam er . Da hatte mir jemand , echt eine 100ter Serie spendiert . Ernsthaft , beim Spiel um Geld , wollen mich meine intergalaktischen Begleiter , nicht sehen . Das hatte sogar der skeptische Stefan begriffen und nun das . Wer weiss , wie laut ich mein bischen Pein , wieder in das Universum hinausgebrüllt habe . Vielleicht hat mich aber Irgendjemand auch einfach nur lieb .

Nicht nur für Freunde der spanischen Sprache , dieser hübsch gemachte kleine Streifen .
UfO=OVNI

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Der Käfer

Mit 17 war ich schon ein gestandener Trinker . Es war klar , das ich einen Führerschein , schneller wieder lossein würde , als ein gebrauchtes Papiertaschentuch . Mit der Zeit wurde ich etwas ruhiger und als ich dann im ordentlichen Schwabenland lebte , nutzte ich die Gunst der Stunde und machte endlich meinen "Lappen" . Mit 29 , hatte ich das begehrte Papier in den Händen und kaufte auch gleich ein Auto . Im Kleinanzeiger stand Er , unter der Rubrik "bis 500.- DM" und gehörte einem älteren Ehepaar . Er war weiss , 14 Jahre alt , hatte hinten noch die kleinen Lichter und war von seinen Vorbesitzern nur wenige 1.000 km gefahren worden . Der arme kleine Kerl , ein "Garagenauto" , sowas ist kein Wagen gern und ich bin mir sicher , das er wuste , das sich das , von Nun an ändern würde . Wir mochten uns sofort . Die Leute bekamen noch ihre Moneten , dann war "Er" erlöst .
Wir gurkten noch einige wenige Wochen in unserem Heimatland rum , dann brachen wir auf , ins gelobte Land . Er war genau der verlässliche Partner , den man für so ein Unternehmen braucht . Mir kam es immer so vor , als ob er der alte , aber rüstige Großvater ist , der seinen kleinen Enkel(mich) , auf seinen Schultern trägt und ihm dabei die große Welt zeigt . Seine Ex-Besitzer hatte ich noch gefragt , was er denn so schlucken würde und sie sagten , an die 14 Liter . Nun , ein Kumpel hatte mir noch "vorausschauendes Fahren" , beigebogen und noch auf der Hinfahrt(Spanien) hatte ich uns schon auf unter 10 Liter . Ob Ihr mir das glaubt oder nicht , wenn wir beide uns auf den Nationalstraßen bewegten , ohne groß Stadtverkehr und so , hatte ich ihn später auf 5-6l !
Es sind Kleinigkeiten , mit denen man zu solchen Zahlen , kommen kann . Anders gesagt , die Summe der Einzeltaten , wie , das Gaspedal nicht durchtreten . Immer den Verkehr im Auge behalten , damit auf etwas plötzliches reagiert werden kann , ohne eine hektische Aktion . Mit schnell Abbremsen , verschenkt man nur Energie . Wer Heutzutage , bestimmte japanische Autos fährt , kommt in den Genuss , diese Bremsenergie , zurückzubekommen . Da hat die deutsche Oldtimer-Industrie , voll gepennt . Oder sie sind Rockefeller abhängig . Oder einfach nur doof .
Doch zurück zu meinem Erst-Wagen , der solche Hybrid-Technik noch nicht kannte . Weshalb wir beide zu einfacheren Mitteln griffen , wie vorrausschauenden Fahren .
Auch sonst , hat er mir immer voll die Stange gehalten und sein bestes getan , wenn es darum ging , uns weiterzubringen . Obwohl ich ein schlampiger Liebhaber bin . Aber das war es wohl was uns beide verband , Liebe !
Nie ging er kaputt , wenn ich gerade pleite war . Niemals ließ er mich im Stich , bevor wir an einer Tanke ankamen . Wenn Fremde irgendetwas von mir oder ihm wollten , machte er sich bemerkbar . Auf welche Weise auch immer , sich so ein Auto bemerkbar machen kann .
Einmal , der dicke "Ruis" und ich saßen im Fahrzeug , in einem Campo und warteten den Regen ab , das wir denn heute noch , was tun können . Ruis spielte an den Instrumenten , am Armaturenbrett , ich glaub er wollte Musik hören . Irgendetwas funktionierte nicht und mein Kollege fing an , mit einem Schraubenzieher rumzubasteln . Sofort merkte ich , das mein Kleiner , das nicht mochte und sagte das auch . "Eyh Mann , mein Käfer will das nicht , der mag nur von mir so angefasst werden" . Ruis , ein noch sehr junger Mann , antwortete : "laß mal ruhig , Companero , ich bin Elektriker und fummelte weiter . Bei mir steigen oft sofort kleine Zorngefühle auf , wenn meine Gedanken oder gar Worte nicht respektiert werden . Wie , um mich zu bestätigen , fängt die Konsole , an zu knistern und kleine Blitze schießen zu meinem Begleiter , allerdings ohne ihn zu verletzen . Erschrocken schaut der Angeblitzte mich an , tut es aber als Zufall ab und macht schon nach kurzer Zeit , weiter . Wieder knisterts und dann haut es ein paar Funken raus , die sich gewaschen haben . Dieses Mal , läßt er den Schraubenzieher fallen und springt Entsetzt aus dem Wagen . "Läßt du das jetzt" , frage ich grinsend , als er wieder ins Auto klettert ? "Schon klar" kommt die Antwort und "habt ihr beide ne Beziehung" ? "Merkt man das" frage ich zurück .
Kurze Zeit später , jetzt will ich das selber wissen und fummele auch rum . Kein Geräusch , kein Lichtblitz und ausserdem funktioniert alles so , wie es sein soll .
War wohl nur ein Kurzer , ausgelößt durch den Regen .
Mehr als eineinhalb Jahre , waren das Vehikel und ich zusammen und in dieser Zeit , habe ich gelernt , was die Buddhisten damit meinen , wenn sie sagen alles ist belebt . Alles hat eine Seele ! Sisso .

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Endspurt


Die Tage wurden immer länger und wärmer , nur noch wenige auswärtige Fruteros , waren anwesend . Das einzige , was jetzt noch gepflückt wurde , waren 13/14-Monatsfrüchte , sprich Blutorangen . Ja , da spricht Onkel Titmaier , ausnahmsweise mal die Wahrheit . Diese art von Citrus-Früchten , wächst wirklich solange . So wie ich das verstanden habe , gibt es dabei einerseits , ausgewiesene Blutorangen , also welche von denen man , von vornherein wußte , das sie mal welche werden . Manche von ihnen sind aber auch einfach nur so alt geworden . Nach 13 oder 14 Monaten Reife , werden Orangen , nun mal zuckersüß und orangerot .
Die verbliebenen Arbeiter , holten die letzten Apfelsinen von den Bäumen , reinigten die "Campos" gewissermaßen . Nicht nur die Bäume , bekamen ihre "Reinigung" , auch der Boden wurde gesäubert .
Das ging so ab . Eine "Junta" , stellte sich in einer Reihe auf , jeder einen Sack in der Hand . Dann ging es in gebückter Haltung los , immer das Obst vom Boden aufklaubend und in den mitgeschleppten Sack steckend . Ziemlich Anstrengend .
Einmal , wir waren an die 30 oder 40 Mann , aus den unterschiedlichsten Ortschaften , lernte ich einen Marokkaner kennen . Wir hatten alle schlechte Laune , da der Campobesitzer , schlecht zahlte . Wären wir von einer Gruppe gewesen , hätten es wahrscheinlich , einen Streik gegeben . Jedoch kannten wir uns nicht und so gab es keine Einigkeit . Probates Mittel der Bosse , unter den Lohnempfängern , Uneinigkeit zu streuen . Jedenfalls , die Leute hatten alle , einen mächtigen Hals und ein Gedanke hing schwer über dem Gelände . Rache .
Die 5 Mann meiner Gruppe gingen nebeneinander , der Rechtsaußen war ich , dann kam der nächste Trupp , es waren Nordafrikaner . Ihr Linksaußen , war jener den ich schon erwähnt hatte . Wir kamen ins Gespräch und ich sah , das er das gleiche machte wie ich . In den Sack kam alles rein , was rund war und Gewicht hatte . Faule Orangen , Steine und sogar richtige Orangen . Alle machten das . Wir hatten wegen des geringen Lohns , eben alle eine Stinkwut . Dabei wurde uns vorher extra gesagt , das wir nur ausgesuchte und gute Früchte , nehmen sollen , da diese später in eine Saftfabrik kämen .
Ein , zwei Wochen später , eine kleine Bar , in einem kleinen Ort am Mittelmeer . Mir die Zeit vertreibend , pendele ich zwischen Tresen und Flipper . Die Tür geht auf , hereinspaziert kommt da mein marokkanischer Arbeitskumpel . Wir erkennen und begrüßen uns , beschließen dann , einen gemeinsamen Tisch zu suchen . Die Unterhaltung konzentriert sich , auf Gott , die Welt und natürlich Orangen . Es ist noch zu früh , Alkohol zu trinken , also bestellen wir O-Saft . Der Kollege , erzählt mir gerade , das er schon mal ein Jahr in Holland gelebt hat(Aha , deshalb wirkte er so wesentlich europäischer , als seine Landsleute) , da spüre ich einen Geschmack von Fäulniss und Sauer in meinem Mund . Mein Kumpel verzieht Zeitgleich ebenfalls sein Gesicht . Der Saft schmeckt sowas von Sch.... . Wir gucken uns entsetzt an , dann fangen wir an zu lachen . Der Saft schmeckt exakt so , wie das Zeug , das wir einige Tage vorher , in die Säcke gestopft hatten . Es gibt also eine Gerechtigkeit , das es aber immer uns trifft , grinsen wir ! Keiner von uns beiden hat es gewagt , den herrlichen Nektar zu reklamieren . Zu groß war die Gerechtigkeit . Zu groß auch die Gefahr , das der Wirt irgendwie mit dem Saftfabrikanten , dem Campobesitzer oder Sonstwem , bekannt oder verwandt ist und uns das Kram mit Absicht gegeben hat . Nach dem Motto , "Rache ist süß" .
Wahrscheinlich ist aber , das war einfach ne angegammelte Orangensaft-Tüte .
Und die Moral von der Geschicht ?
Schlechte Arbeit lohnt sich nicht !
Schmunzelnd gingen wir beide auseinander , wissend , das die Götter , auch gerne lachen und Typen wie uns , immer ein bischen im Auge behalten , weil wir ihnen die Chance geben , Witze mit uns zu machen .

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2te Prüfung

Nun wurde die Arbeit weniger , so das ich zusah , meinen Tank vollzubekommen , und mich nach einer anderen Frucht umzusehen . Die "Mispero" , war die nächste , bei der wir Pflücker uns treffen wollten , doch Ihre Zeit war noch nicht gekommen . Doch im tiefen Süden Spaniens , in Andalusia , war jetzt Erdbeer-Zeit . Eine weite Reise , das freute meinen kleinen Käfer und mich und los ging es .
Viele Stunden später , ein Mann , groß , mitteleuropäisch , langer schwarzer Mantel , steht am Straßenrand und hält den Daumen raus . Der Kleine und ich fuhren am liebsten allein , hatten wir jetzt eine ganze Zeit gefrönt und so hielten wir an . Es war auch ein bischen das Wissen , das Figuren wie Diese , lange stehen . Denn wahre Lust , jemanden mitzunehmen hatten wir nicht . Eher ein schlechtes Gewissen . Irgendetwas warnte mich noch , dann stieg er ein . Meine nächste Prüfung und ich sags jetzt schon , voll vermasselt .

Sein Name war Theo(N.v.d.R.g.) und er käme aus Wien . Er wollte nach Süden und nur mal so gucken und was ich denn so machen würde . Meine Erzählungen , über eine Maloche , bei der man sich tief bücken muß , beeindruckte ihn nicht sonderlich . Nichtdesdotrotz fuhr er weiter mit .
Wir kamen in "Huelva" an , eine Stadt in der Nähe der portugiesischen Grenze und großes Zentrum , spanischer Erdbeeraktivitäten . Die Zeit war schlecht , es gab wenig Beeren , dafür um so mehr Pflücker , die das gleich wollten wie ich .
In der Zwischenzeit , hatte Theo mir erzählt , das er frisch ausm Knast kam und eigentlich nicht vorhatte , zu buckeln . Man könne an das Geld auch leichter herankommen . Betteln , stehlen und Einbrüche machen . So am zweiten Tag , unseres Beisammenseins , ging ich so langsam , auf seine Vorschläge ein . Es ist wirklich schwer , im armen Andalusien , einen Job aufzutun , das soll aber keine Ausrede sein . Es war eher , die Lust auf meine Vergangenheit . Es juckte in den Knochen , ob ich die alten Fertigkeiten noch behersche und natürlich , Bock auf Abenteuer . Die Führung überlies ich erstmal Theo . Nun , wir lungerten rum , auf der Suche nach Beute und Theo zeigte mir , wie man in christlichen Institutionen , Kirchen und so , was zu essen oder manchmal sogar ein bischen Geld bekommen kann . Einmal , es war früher Abend und wir mal wieder Pleite , da bekam ich Lust , auf einen Wein . Die ganzen Tage hatte ich mich sehr schwer getan , mit der Art zu betteln , wie wir das taten . Irgendwelche Caritativen Einrichtungen , um das Kram anzuhauen , welches für wirklich Bedürftige gedacht ist . Wir saßen also in einer Innenstadt , um uns pulsierte das Leben , da kam mir eine Idee . Jeder von uns beiden , nimmt eine Staßenseite und haut die Leute so lange um Geld an , bis genug für ne Tüte Wein zusammen gekommen ist . Gesagt , getan . Es war der Wettkampf , der mich reizte , denn das betteln ansich mochte ich nicht . Doch so , konnte ich meinen Kolegen , immer auf der anderen Straßenseite beobachten , mit meinen ersten Erfolgen wachsen und mit den Seinen hochrechnen . Nachdem ich so , meine 2 Flaschen zusammen hatte , hörten wir wieder auf , machten Kassensturz und lösten die Moneten gegen Wein ein . Alles nicht so rentabel , so schlug ich am nächsten Tag vor , doch ein paar Einbrüche zu machen . "Endlich wirst du vernünftig" , sagte Theo daraufhin . Wir einigten uns darauf , die Beute in den Vorstädten , der Touristencentren am Meer , zu suchen . Hier hatten viele Ausländer , sprich Engländer , Deutsche , andere Europäer , ihre festen Sommerresidenzen . Hier war die Gefahr , durch Eigentümer überrascht zu werden geringer , denn es war noch keine Saison . Hier versprachen wir uns einfach mehr , schließlich waren die Besitzer dieser Bungalow , keine Ärmlinge .
Gesagt , getan , noch in der gleichen Nacht , machten wir uns mit Werkzeug aus dem Wagen , auf den Weg .
So gut kam Theo nicht klar , mit der ersten Tür , die es zu öffnen galt . Schon bald übernahm ich das Ruder . Junge , Junge war das herrlich . Eine alte vertraute Arbeit . Es pulsierte in meinen Adern , während meine Gedanken sich überschlugen , wie dieses Hinderniss zu beseitigen , dieses Schloss zu knacken und dieser Rigel zu brechen sei .
Es gehört wohl zu meinen Lebensaufgaben , wenn ich ein Ziel erreichen will , muß ich auch etwas dafür tun . Im gutem , wie im schlechten ! Auch früher , in meiner Jugend , war ich ein schlechter Dieb , aber ein guter(guter?) Einbrecher gewesen .
Jedenfalls es machte mir Spaß . Die Vorfreude , auf die zu erwartenden Kleinode , das basteln und brechen an Fenstern und Türen , das durchforsten der Klamotten anderer Leute . Wie leben die ? Irgendwo im Hinterkopf , auch immer die finanzielle Seite , aber eher Sekundär . Wir stopften uns die Taschen voll und nahmen alles mögliche Krams mit , was wir irgendwie versilbern konnten . Fernseher , Stereoapparate , Kameras , Schmuck und versuchten es anschließend in irgendwelchen geneigten Bars , wieder loszuwerden . Bald waren die Pinten um unser Revier gesättigt mit unserem Zeugs und wir mußten nach anderen Umschlagplätzen Ausschau halten .
Einen Junky , den ich kennengelernt hatte , erzählte mir , das man in "Algeciras" , ne Menge loswerden könne . Natürlich wolle er etwas abhaben . Schon klar und so gurkten wir nach Algeciras . Theo hielt sich mal wieder vornehm zurück . Später begriff ich , das der Typ einfach nur Schiss hatte und das Risiko scheute . Zurecht , denn Algeciras ist ein heißes Pflaster . Die Stadt wird bewohnt von international gesuchten Kriminellen , von Afrikanern , Gitanos und sogar richtigen Spaniern . Die Währungen in dieser Stadt sind genauso vielfältig und wenn man sich auskennt , dann kommen noch Autoradios und Haschischplatten dazu .
Einmal , wir waren verabredet , mit einer Bande , die elektrische Geräte gegen Shit eintauschen wollten , passierte etwas seltsames . Wir verabredeten uns in einer illegalen Pinte , in einer der Vororte(Barrios) von Algeciras . Diese behördlich nicht registrierten Kneipen , gibt es häufiger in Spanien , vor allem in Gebieten , die vom Kapitalismus , noch nicht so geküsst sind . Diese Trinktreffs haben natürlich , draußen keine Reklame hängen . Die Leute wissen , wo diese Einrichtungen zu finden sind .
In so einem Laden , der wohl auch der Gruppe gehörte , mit der wir uns verabredet hatten , kamen wir also zusammen . Sie waren 5 Mann und hatten hunderte von Mark , in spanischen Münzen . Was weiß ich aus welchem Automaten , glaub jedenfalls nicht das sie das Gespart hatten . Zusammen mit den von uns mitgebrachten Geräten , war das wohl soviel , das wir das gegen ein Kilo besten Ketama eintauschen konnten und so sollte es auch funktionieren . Von den ganzen Geschäften erfuhr ich erst vor Ort , war aber einverstanden , denn erstens mag ich Shit , zweitens läß es sich wesentlich besser händeln , wie so ein haufen Elektogeräte . Der Haken an der Sache . Die , mit denen wir den Tausch , aushändeln wollten , waren alte Bekannte , meiner neuen Companeros . Das aber nicht im besten Sinne . Es hatte wohl immer wieder Streit gegeben und die "Anderen" , hatten den Ruf , ihre Interessen auch mit Hieb- oder Stichwaffen durchzusetzen .
Wir hatten also folgende seltsame Position zueinander . Keiner traute Keinem . Die "5" waren eine Bande , das war klar . Mein Junki-Companero , war das überhaupt mein Companero ? Oder macht er mit den "5" gemeinsame Sache ? Oder mit Theo , der nicht anwesend war ? Die "5" , hatten dafür den Verdacht , das Wirbeide oder nur der Companero oder nur ich , ein Under-Cover Agent der "Anderen" sind . In hitzigen Orten , wie Algeciras nun mal ist , ganz normaler Alltag .
Die Stimmung , in dem Laden , wurde immer elektrischer . Da tauchte ein Vertreter der "Anderen" auf . Er stand oben vor der Kneipentür und wartete dort auf einen von uns . Jetzt mußten sich die Verhältnisse klären . Unsere irritierten und verunnsicherten Augen , trafen sich alle in der Mitte . Mit einem Mal , wurde uns klar das wir Freunde sind , für diesen Moment , für diese Sache . Ohne ein Wort zu wechseln , trafen sich alle unsere Hände , in der Mitte über unseren Köpfen . "Wir" waren geboren . Wir lachten uns an . Sollten die anderen doch kommen .
Nun , sie bzw. er war schon da . Wir verabredeten noch ein paar Kleingkeiten , dann stieg ich , die Treppen aus der Kellerkneipe , hoch an das Tageslicht , wo der Vertreter der "Anderen" schon wartete .
Er war ein kräftiger Kerl , mit V-förmigen Kreuz und hatte eine wilde Mähne . Sein Gesicht sah aus , wie aus einem "Sergio Leone"-Film . Wirklich sehr beeindruckend .
Wir begutachteten den Bestand des Beuteguts , das sich in dem Käfer stapelte . Dann zog er weiter , zu seinen Kumpanen , Bericht erstatten . Während wir auf ihn warteten , wurde schon mal Überprüft , ob denn all die Getränke der Pinte , noch frisch waren . Irgendwann kam die "Mähne" wieder , um uns zu erzählen , das aus dem Deal nichts würde . Unsere Vermutung war , das die andere Gruppe , von vornherein garnicht Handeln , sondern nur "Abziehen" wollten . Waren dann aber doch von der Schlagkraft , ihrer Opfer überrascht gewesen und wollten kein Risiko gehen .
Nun denn , es galt ja noch ein paar Getränke zu prüfen und dabei unsere neue Kumpanei zu festigen .
Aber irgendwie mußte ich auch noch meine Geräte loswerden .

Am nächsten Tag , machten der Junky und ich , uns auf den Weg . Wieder nach Algeciras . In ein Barrio . Es war ein Trabanten-Vorstädtchen und nur über einen Schnellstraßen-Zubringer , zu erreichen . Wer sich in Spanien auskennt , kann sich jetzt vielleicht schon vorstellen , was das für eine Siedlung war . Dermaßen abgeschottet . Plattenbau pur . Hier wohnten die ärmsten der Armen , dieses armen Bundeslandes Andalusia .
Wir fuhren in diese Ansiedlung , bis mir der Kolege , vor einem Block bedeutete anzuhalten und auf ihn zu warten . Gut also warten . Eine viertel Stunde . Noch eine . Nach der nächsten , kommt der Typ endlich runter und erzählt , das alles klar geht und wir nur noch ein bischen warten müssen . Bis die richtigen , finanzkräftigen Leute , vorbeischauen , die sich für unser Kram interessieren . Dann geht er wieder hoch .
Mittlerweile hatten sich einige Menschen , in der Nähe versammelt und bestaunten meinen Käfer . Is in Spanien schon was besonderes , son Volkswagen . Nachdem der Junky , schon wieder eine ganze Zeit , verschwunden war , kamen auf einmal andere Typen , zu den schon Anwesenden . Junge Männer und Jugendliche . Einige fuhren auf Mopeds und Mofas . Dann klingelte es in meinem Köpfchen und die Erleuchtung fiel , wie die Schuppen , aus den Haaren . Der Junky , hatte mich verkauft . Darum musste ich so lange warten . Bis meine Henker eben da waren . Die wollten den schönen Käfer , nicht nur angucken , sondern auch gleich besitzen . Die Scenerie um mich genauer betrachtend , viel mir auf , das die einzige Straße , hinter mir , von den Mofas verrammelt war . Vor mir , kam sie , nach ein paar hundert Metern , an einem , zu dem Zeitpunkt , ausgetrockneten Fluß an . Wo sie auch endete .
Um mich herum wurde es mir langsam zu mulmig . Das wurden immer mehr . Kurzentschlossen drehte ich den Schlüssel und startete und wirklich , die ganze Bande hinter mir her . Grinsend hängte ich sie ab , doch sie grinsten auch . Dachten sie doch , sie könnten mich unten am Flußbett , wieder stellen . Diese ausgetrockneten Becken , kann man öfters in Spanien sehen . Oftmals sind sie so eben , das darin Fußball gespielt wird . Da ich von der Robustheit meines Käfers wußte , ließ ich mich auf das Wagniss ein und steuerte das Auto vorsichtig in das Bett . Ein spanisches Gefährt , hätte das wohl auch nicht überstanden , aber es war "Er" . Wieder mal war ich stolz auf ihn . Während wir durch das Flußbett gurkten(in der Mitte fuhr es sich ganz leicht) , versammelte sich die Bande , hinter uns an der Böschung . Sie staunten und schimpften hinter uns her . Irgendwann tauchte oberhalb des Flußes wieder eine Straße auf . An einer günstigen Stelle , fuhren wir das Ufer hoch , dann hatten wir wieder befestigten Boden unter den Reifen . Es war der selbe Zubringer , der mich rechts zur Schnellstraße und links , zurück in die Siedlung , bringen würde . Genau das machte ich auch . Jetzt wurde ich feist und fuhr zum Block , in dem der Junky war und wo die ganze Story angefangen hatte . Wie vermutet , war niemand mehr auf der Straße . Alle hatten sich verzogen . Kurz gehupt und da mußte ich auch nicht mehr lang warten , wenig später war der Typ da . Normalerweise lügen Junkys einem erste mal die Tasche voll , wenn irgendetwas schräg gelaufen ist . Machte er nicht und brauchte er auch nicht . Es war eh alles klar . Man konnte ihm noch nicht mal wirklich böse sein . Es war eben ein Junky und die ziehen einen eben ab . Wenn sich ihnen eine Chance bietet . Sie sind immer auf der Suche nach dem nächsten "Fuffi"(Fünfzigmarkschein) , der ihre Schmerzen und ihre Gier lindern soll . Selber Schuld hatte ich , wenn ich mich auf solche Leute einließ . Wir wechselten kein Wort miteinander und am nächsten Tag , ging ich mit den Klamotten allein auf Tour .
Irgendjemand hatte ich noch gefragt und der beschrieb mir den Weg , zu einer Ortschaft in der fahrendes Volk lebt . Da würde ich unser Zeugs schon loswerden . Dort angekommen , zeigte ich dem nächst besten , der mir dafür geeignet schien , die Geräte und dann passierte mal wieder etwas erstaunliches . Erstaunlich jedenfalls für so einen , sogenannten zivilisierten Mitteleuropäer . Der Mann konnte zwar nichts von meinen Sachen gebrauchen , verwies mich aber dennoch , zu jemanden , der wohl wollte und auch konnte . So sollte es auch sein . Nachdem ich an der Haustür geklopft hatte , öffnete sich diese und ein zu mir sehr freundlicher Mann , nahm einen guten Teil und bezahlte ordentlich . Nicht nur das . Außerdem musterte er den Rest , nur um mir eine Adresse sagen zu können , wo man das andere Krams noch unterbringen kann . Wieder klappte es . Wieder wurde ich weitergeleitet . In weniger als einer Stunde , war ich auf einmal , alles los . Abgefahren . Anstatt ausgeraubt zu werden , wurde ich mit freundlicher Achtung behandelt . Darüber habe ich lange Nachgedacht . Meine Erklärung : Trotz meines anderen Aussehens(groß,blond) , hielten sie mich für jemanden ihrer Rasse , der in finanzielle Not gekommen ist und dem deshalb , unbedingt geholfen werden muß . Oder es war Räuberehre . Oder ich weiß auch nicht .

Theo outete sich als immer schräger . Während wir auf unseren Erkundungstouren, durch die Orte stromerten , forderte er mich mehrmals auf , doch einfach welche der wenigen Urlaubsgäste , was auf die Glocke zu hauen. Sprich Straßenraub zu begehen . Nicht mit mir . Abgesehen davon , das Raub von den Ermittlern ganz anders angegangen wird , denn so ein Bruch , nur um mich persönlich zu bereichern , brauche ich auf keinem Fall , anderen Menschen wehtun . So weit war ich wohl doch schon entwickelt .
Aber nicht nur das . Manchmal schliefen wir im Wagen und eines Nachts wurde ich wach und wußte keinen Grund . Man weiß normal immer , warum man wach wird . Die Spuren eines Alb verflüchtigen sich gerade , die Blase drückt , der Wecker klingelt oder wir werden einfach gerade Wach , weil unsere innere Uhr signalisiert , das Zeit zum aufstehen ist . Hatte Theo irgendwas gedreht ? Seinen Atem überprüfend , wurde mir klar , das das kaum Sinn macht . Er war ein erfahrener Knacki und wenn man jahrelang mit anderen Kerlen , eine Zelle teilt , dann lernt man selber bestens , seinen eigenen Atem zu kontrolieren und fremde zu analysieren . Vielleicht hatte ich mich getäuscht , aber ich kenne auch meinen Instinkt . Beunruhigt schlief ich wieder ein . Am nächsten Morgen , wurde mir klar , das es an der Zeit war , sich von Theo zu trennen .
Ein paar Tage später . Wir beide hatten die Nächte , in einem Armenhaus quartier gemacht . In diesen Einrichtungen schlafen Mittellose , aller Coleur , Säufer , Penner , rausgeflogene Ehemänner . In solchen Häusern , kann man umsonst schlafen , allerdings nur 4 Tage . Es sind immer Mehr- bis Vielbettzimmer . Es war unsere letzte Nacht und wir mußten packen. Da sagte Theo zu mir : "Die Sch... Marokkaner" , seine Bettnachbarn , "haben mir meine Knete geklaut" . Hatten sie nicht . Theo war ein viel zu erfahrener Knacki , der läßt sich nicht so einfach was stehlen . Ausserdem war mir schon die ganze Zeit aufgefallen das Theo bunkerte . Wir teilten den Erlöß unserer Beute , immer durch drei . Einen Teil bekamen jeweils wir beide , einen Teil bekam das Auto . Obwohl dieser Typ weder mehr aß , noch länger saufen konnte , denn meine Wenigkeit , hatte er ständig , kein Geld . Dafür lag er dann der Reisekasse , auf der Tasche oder auf meiner .
In diesem Moment wußte ich das ich mich , von ihm trennen würde , noch heute . Von den verbliebenen Beutestücken , waren noch genau vier , in meinem Besitz . Während wir unsere Sachen packten , stopfte ich ihm alle 4 Stück , heimlich in seine Tasche . An die anderen kann ich mich nicht mehr erinnern , aber ein Teil , machte es mir richtig schwer . Von ihm zu lassen . Es war ein Fernrohr 8x50 , ziemlich alt , so mehrere Jahrzehnte . Sein Glas war immer noch klar und supergut geschliffen . Bei klarem Wetter , konnte ich damit , die Minarette , der Städte , des nur wenige kilometer entfernten Afrikas sehen , phantastisch . Aber ich wollte nichts mehr von den Sachen haben und so trennte ich mich schweren Herzens von ihm .
Nachdem wir aus dem Armenhaus ausgescheckt hatten , suchten wir nach einer Kleinigkeit zum beissen . Nach einiger Zeit , fanden wir , was wir suchten , ein kleines Frühstückslokal , mit angenehmen Preisen . Zu Theo sagte ich "Geh schon mal rein und bestell zwei Gedecke , ich lade dich ein und will nur eben den Wagen wenden" . Zufrieden das er mit seinen Tricks wieder durchkommt , stieg Theo aus dem Auto und ging in das Lokal. In der Zwischenzeit wendete ich den Käfer . Dann griff ich mir die Tasche von dem Österreicher und überlegte , ob ich das geliebte Fernrohr nicht vielleicht doch an mich nehme . Bei mir würde es seinen Zweck erfüllen , bei ihm wäre es nur Wertgegenstand . Aber nein , Stefan sagte ich zu mir selber , du willst doch einen Abschluss schaffen , auch Beherrschung gehört dazu . Also wurde die Tür meines Vehikels geöffnet , dann stellte ich das Gepäckstück auf die Strasse , hupte kurz , winkte Theo noch einmal zu und fuhr los . Eine riesen Last fiel von meinen Schultern . Zum Schluss hatten mir selbst die angenehmen Sachen des Knackidaseins keinen Spass mehr gemacht . Dieser Typ konnte einen echt alles verderben . Nie wieder wollte ich meinen Lebensunterhalt , auf diese Art und Weise verdienen . Sogar betteln war mir lieber .
Damals schnallte ich noch nicht so durchdringend , das die Götter mir diesen Mistheini , wohl mit Absicht untergejubelt hatten , damit ich genau zu dem Schluss komme . Denn ich hätte ja auch einen coolen Jungen zum Partner bekommen können . Einen mit dem ich es Jahrelang ausgehalten hätte .
Aber darum ging es nicht , es sollte und soll so sein , das euer Erzähler lernt . Das Gute ! Denn es geht .
Um Theo machte ich mir keine Sorgen . Er war abgeklärt genug und kam alleine klar . Auch wenn er lieber andere für sich arbeiten ließ . Wahrscheinlich hatte er wesentlich mehr Knete als ich und böse Kerle , solche mit denen er sich verstand , gibt es an jeder Kiez-Strassenecke , Theos Lieblingsrevieren .
Frohen Mutes machte ich mich auf den Weg , der Mispero entgegen .

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Die Mispero

Die Mispero ist eine Steinfrucht , die ich nur in Spanien gesehen habe . Ihre Farbe kann man ruhig mit "Gelb" beschreiben . Dabei hat sie ungefähr die Größe einer Mirabelle und grob beschrieben sieht sie auch so aus . Es ist eine Frucht , die selten und daher teuer ist . Sie schmeckt leicht säuerlich , ungefähr wie eine Stachelbeere . Sie hat keinen Stiel , wie etwa herkömmliche Steinfrüchte , sondern sitzt direkt an einem kleinen Ästchen . Da dieses Obst sehr empfindlich ist , darf es beim Ernten nicht direkt angefasst werden , sondern nur an dem kleinen Ast an dem sie sitzt . Ein kleines mit Tuch ausgeschlagenes Körbchen , hilft sie auch weiterhin unverletzt zu lassen . Würde man die Frucht direkt greifen gibt es sofort , braune Stellen die , das Obst in Kürze faulen lassen würde .
Man erkannte in mir wohl den mittlerweile schon erfahrenen Pflücker . So war es ziemlich leicht , in einem der Orte , Arbeit zu finden . Natürlich morgens und in einer Gaststätte . Ein Etui , in dem eine zusammensteckbare Zahnbürste und andere Mini-Toiletten-Assecoures , Platz fanden und das unauffällig in eine Hosentasche passte , nahm ich dann immer mit . In diesen Kneipen , in denen ich mich um Jobs bewarb , reinigte und rasierte ich mich nämlich auch oft . Wenn ich mal wieder draußen geschlafen hatte und machte mich so "Chef ansehbar" .
Mein neuer Patron besaß auch Duschen und Schlafplätze für seine Angestellten . Das Wasser nahm ich dankend an , aber nachdem ich ihm erzählt hatte , das ich keine Lust auf den vollen Schlafsaal hätte und lieber draußen schlafe , bot er mir lachend , einen fahruntüchtigen Bulli , der in seinem Garten stand , als Unterschlupf an . Gemacht .
Es war eine richtig schöne Zeit . Die Frauen reinigten , sortierten und verpackten die Früchte . Wir Kerle kletterten mit unseren Körbchen , in den Bäumen rum . Das alles vollkommen stressfrei und vorsichtig , denn wir erinnern uns , die Mispero ist sehr empfindlich . Meine Arbeitskollegen kamen allesamt aus Andalusia . So saßen wir oben in den Bäumen und sangen südspanische Lieder . Zuguterletzt gab es auch noch richtig gut Knete für diese angenehme Arbeit . Fast soviel wie als Superpflücker in den Apfelsinen , nur ohne Akkord . Da war selbstverständlich High-Live in allen Gassen und Pinten , wenn wir Feierabend hatten .
Irgendwann trudelte auch Bassi ein . Ende April , an einem der Wochenenden , hatte ich Geburtstag . Wir fuhren mit einigen Leuten runter ans Meer nach Benidorm und feierten in einer Disco . Noch war keine Saison , in dem Tanzschuppen hielten sich nur noch wenige Urlauber und ein paar Einheimische auf . So kann man gut Party machen . in dieser Stadt die im Sommer wohl über eine Million Einwohner verfügt , lebten jetzt vielleicht gerade mal wenige Zehntausend . Es war mein 30ster Geburstag und ich erinnerte mich das in Oldenburg , der männliche Part , Sägespäne fegen muss . Jedenfalls die Junggesellen . Diesen Brauch mochte ich nicht besonders und war daher froh in Spanien zu sein . Na ja , die Feier dauerte jedenfalls bis in den frühen Morgen .
Die Saison der hiesigen Frucht , dauert nicht lange , so 5-6 Wochen und so brauchte es nicht mehr viel Zeit . Dann hieß es Abschied nehmen . Bei Saragossa könne man jetzt Kirschen ernten , hörte ich und machte mich auf den Weg . Vorher wollte ich allerdings in Fraga vorbeischauen , nach Ulla und den Kumpels sehn , denn dieser Ort lag mehr oder weniger auf dem Weg .

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Der letzte Halt

Ungefähr eine halbe Tagesreise dauerte die Fahrt , dann war ich wieder da und es kam mir sogar alles ein bischen Heimisch vor . So als wäre ich nach Haus gekommen . Die Leute , nicht nur meine Kumpels , sondern die meisten , waren recht freundlich , wenn nicht sogar herzlich zu mir . Auch Ulla war von meiner neuerlichen Ankunft sehr angetan und so war schon in der ersten Nacht klar , wo mein Bett stand .
Von meinem Vorhaben , hier nur einen Besuch abzustatten und dann nach Zaragossa weiter zu fahren , hielt man hier nicht allzuviel . "Warum in die Ferne schweifen , wenn das Gute doch so nah" . Solche und ähnliche Sprüche , waren die Antwort .
Die Apfelsaison beginne zwar erst in zwei Monaten , aber gute Früchte wollen gepflegt werden . Es besteht genug Handlungsbedarf , zwar nicht für Horden von auswärtigen Erntehelfern , aber mehr als genug für die Einheimischen . Ein guter Kollege , fragte seinen Chef und wenige Tage nach meiner Ankunft , stand ich wieder in Schweiß und Brot . Mehr als die hälfte der Familie , kannte ich eh schon , wusste nur nicht , das sie Fruchtbauern waren , sondern war davon ausgegangen das es reine Erntehelfer , sowie ich seien .
Sie hatten mehrere große Campos , mit allen möglichen Bäumen . Manchmal mussten wir mehrere kilometer fahren , um an die Arbeit zu kommen . Im Zentrum ihrer Felder hatten sie eine zweistöckige Finca , mit fließend Wasser , Küche , Duschen und Schlafplätzen . Mittags wenn wir Siesta(spanische Mittagspause die sich je nach Jahreszeit , um mehrere Stunden ausdehnt . Generell gilt , je heißer , desdo Pause .) hatten , kochten die Frauen , die dann eine halbe Stunde eher ins Haus gingen , uns allen etwas zum Essen . Danach legten wir uns alle für zwei Stunden aufs Ohr . Immer hatte ich einen Horror davor . Wenn ich nämlich wach wurde , war ich dermaßen verschwitzt , das ich mich kaum bewegen mochte . Andererseits waren wir so kaputt von dem Job in der heißen Sonne , das einem garnichts anderes übrigblieb als zu schlafen .
Anfangs pflückten wir nicht , sondern holten aus den noch jungen Fruchtständen , die überzähligen heraus . Stell Dir vor da sitzen 5 junge Pfirsiche auf einem Haufen . Dann müssen ein oder auch zwei von ihnen weichen , damit die übriggebliebenen genug Platz vorfinden , um auch richtig groß zu werden . Eine andere Arbeit , war das Abbrechen der Chuppone(Sauger,Lutscher) . Das sind Äste , die lang und dünn , keine Aufgaben für den Baum erledigen , wie etwa das transportieren von Wasser und Mineralien , sondern einfach nur saugen . Parasieten eben . Diese Sauger brachen wir ab .

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Die Schlange

Das Gras steht in Spanien , schon im Mai mehr als Kniehoch und einmal sagte Ricco ."Wir müssen aufpassen , es kommt vor , das Schlangen hier rumkriechen und wir können sie nicht sehen , da sie im hohen Gras für uns nicht sichtbar sind . Laßt uns achtgeben , das sie von uns nicht getreten werden ." Auch ich hatte ein leichtes Huschen am Boden bemerkt und fragte
"Hast du eine gesehen?" Er zuckte mit den Achseln ."Kann sein". Es wurde Feierabend und wir stiegen alle in den Jeep . Da sich durch das ganze Gelände , Bewässerungsgräben zogen , mussten wir ein großes Quader abfahren , um an dem Punkt zu gelangen an dem wir Morgens angefangen hatten . Es war fast die gleiche Stelle , nur der Bewässerungsgraben , stand zwischen der Ackerstraße auf der wir langsam fuhren und dem Fruchtfeld .
Eine Schlange ragte über das Gras hinaus und zischte uns an . Sie hatte eine graublaue Farbe, war ungefähr armdick und bestimmt 2 meter lang .
Wir hielten an und betrachteten sie, voller Ehrfurcht . Alle mutmaßten wir, das jemand von uns wohl auf die Schlange getreten war oder zumindest fast. Alle nahmen wir uns vor, den nächsten Tag festes Schuhwerk anzuziehen und besser aufzupassen wo wir hintreten . Die ganze Heimfahrt, redeten wir von nichts anderem.
Zuhaus angekommen, erzählte ich Ulla aufgeregt sofort die Story, um dann etwas beruhigter Duschen zu gehen. Beim Waschen bemerkte ich zwei kleine Punkte, nebeneinander stehend, unten an meinem Fuß. Sie waren leicht unter die Haut gedrungen, bluteten aber nicht. Sie waren überhaupt nicht spürbar , auch konnte ich mich an keinen Biß oder Schmerz erinnern . Doch sie waren da, wie eine kleine Warnung. Noch sicherer war ich mir jetzt, das am nächsten Tag richtige Schuhe herhalten mußten. Nach der Reinigung wollte ich Ulla den Schlangenbiß zeigen, doch an meinen Füßen war nichts mehr zu sehen ?? Nichts , absolut gar nichts?? Hm, diese Wunde war dagewesen, aber jetzt nicht mehr. Nehme an das, das Tier mir dieses Mal, nur visuell angetan hatte. Auch Ulla glaubte mir wohl die Story und erzählte mir was, von der imaginären Kraft dieser Reptilien. Immerhin kennen sogar wir in unseren Schlangenarmen Regionen, die Geschichte von dem Kaninchen, das vor dem Blick der Schlange erstarrt und nicht wegläuft, wie hypnotisiert eben . Wird wohl was dran sein, denke ich seitdem, wenn ich über so etwas nachdenke.

Wir pflegten mittlerweile die Früchte nicht nur, sondern pflückten auch schon wieder. In Spanien wird das Obst, im Schnitt ein bis zwei Monate früher reif. In diesem von der Sonne verwöhntem Land, gibt es auch eine viel größere Auswahl, wird die Erde nur ausreichend bewässert. Das erste mal in meinem Leben, kam ich in den Genuss, eines Granatapfels. Pflaumen in allen Farben und Formen. Hast Du schon mal weiße Pflaumen gesehen? So groß wie Eier. Überhaupt, das gesamte Steinobst gab es in vielfältiger Auswahl. Pfirsich und Pflaume z.B. ergibt eine Aprikose. Doch die Mischungen hierzulande sind noch wilder, Aprikose plus Nektarine u.s.w..
Die Tage gingen ins Land, es wurde Ende Juni, da fragte mich Ulla, ob ich denn Lust hätte, mit ihr nach Pamplona zu fahren. Zur Fiesta.

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Bei den Basken

Jede Stadt in Spanien hat seine eigene Fiesta, die national auch mehr oder weniger bekannt ist. Bekannt sind die Feiern der Städte Sevilla und Valencia, mit ihren Umzügen und den riesigen Figuren aus Pappe, vergleichbar mit unserem Karneval.
Die bekannteste spanische Feier und zwar innerhalb sowie auch außerhalb, der Grenzen dieses Landes, ist die von Pamplona . Die internationale Bekanntheit, ist dem amerikanischen Schriftsteller "Ernest Hemingway" zu verdanken, der lange Zeit in diesem Land gelebt hat und in seinem Buch "Fiesta", über diese Festivität berichtet.
Auch ich hatte viele Jahre vorher dieses Buch gelesen und mir damals vorgenommen, diese Fiesta unbedingt einmal mitzumachen. Nun war es soweit. Jedenfalls hat das zur Folge, das die Stadt Pamplona, zu dem Zeitpunkt der Fete, überfüllt ist mit ausserspanischen Gästen und zwar überwiegend aus dem englischsprachigen Raum. Hauptsächlich aber aus Amerika.
Natürlich sind die meisten Gäste doch Spanier, jedoch es ist schon erstaunlich, wie viel Werbung so ein Buch machen kann.
Immerhin ist diese Fete so bekannt, das es sogar Kinderlieder davon gibt :
Primero Enero, (erster Januar,
segundo Febrero, zweiter Februar,
terzero de Mars, dritter im März,
quatro April, vierter April,

sinco de Mayo, fünfter im Mai,
seis de Junio, sechster im Juni,
siete de Julio, siebter im Juli,

San Fermin, San Fermin,(das ist der Name, des Festes))
San Fermin, San Fermin

Aufgrund der ungeheuren Angesagtheit dieses Ereignisses, fragte Ulla ob wir nicht schon ein paar Tage vor Beginn dasein wollten, um uns ein bischen einzurichten und um die Stadt Pamplona, Land und Leute in ihrem Originalzustand kennenzulernen. Das war eine gute Idee, wie wir noch feststellen sollten und so schlugen wir schon am 5ten auf.
Die Stadt war schon gefüllt, aber noch nicht voll. Überall wurde an Ständen gebastelt, Restaurante herausgeputzt und an Attraktionen gebaut.
Einmal, ich ging gerade eine Straße herunter, da spürte ich ein rythmisches Beben hinter mir. Nachdem ich mich umgedreht hatte, sah ich das es ein großer, weißer und vor allem dicker Mann war. Ein Ami und ich hatte schon gedacht, ein Elefant. Dieses Erlebniss hatte ich noch ein paarmal, wenn Vertreter dieses Volkes, hinter mir gingen. Sie sind so groß und fett, so viele von ihnen. Fleisch und Zucker, überlegte ich und das erste mal, während meiner spanischen Zeit, wurde mir bewußt, das auch ich, wesentlich größer als der Durchschnitt dieses Landes, ganz schön auffallend sein mußte.
Ein anderes mal, noch immer war das Gros der Besucher(weil vorm 7.7.) nicht anwesend, spielten zwei junge Basken Pelota. Das ist ein Spiel, bei dem ein Ball mit einem Schläger, der aussieht wie eine stark gekrümmte Suppenkelle, gegen eine Wand gedroschen wird. Ähnlich wie Squash. Es gibt auch eine Art, bei der nur mit der Hand gespielt wird, also die Hände als Schläger benutzt werden. Das hat schon manch blutige Greifwerkzeuge ergeben. Diese beiden spielten aber nicht wirklich, sondern sie taten nur so. Sie spielten also praktisch "Luft-Pelota". Nichtdesdotrotz versammelten sich viele Zuschauer und jubelten den Protagonisten zu. Auch Ulla und ich. Die beiden jungen Kerle, schnaubten und schnalzten mit der Zunge, um das aufklatschen des Balles an die Wand oder auf den Boden, zu imitieren. Der Sieger dieses "Nicht-Spiels", lies sich dann auch gebührend feiern und alle waren der Meinung, das er ein hervorragendes Timing hätte.
Die wahre Attraktion, dieses Stadtfestes sind die Stiere, die morgens um 7 Uhr, ab dem 7.7., jeweils eine Stunde, durch die Straßen getrieben werden. Vor ihnen her laufen Menschen, meist junge Männer, manche Hackenbreit und wer zu langsam läuft oder von seinen Vordermännern aufgehalten wird, kann leicht unter die Hufe geraten.
Regelmäßig gibt es dabei auch Tote, immer Verletzte und hierzulande hätte man dieses Spektakel schon lange verboten.
Bei dem ganzen Run, sind die Gassen die von den Straßen abgehen, abgesperrt. So das die Tiere und die vor ihnen weglaufenden Menschen, schlussendlich alle in der Arena landen, in der die Stiere, abends noch kämpfen müssen. Es sind immer 5-6 Kampfstiere, die extra dafür gezüchtet wurden und dann noch mal an die 30 große Ochsen um das Gesamtbild etwas aufzufüllen.
Stierkämpfe,für uns Mitteleuropäer verpönt, bei Spaniern und vielen Lateinamerikanern äußerst beliebt. Zur Saison, kann man in jedem Fernseher, der irgendwo glimmert, Stiere hinter Toreros herjagen sehen. In Südspanien, habe ich Städte gesehen, die kein Fußballstadion aber immer eine Stierkampfarena aufzuweisen hatten. Über dieses Thema, braucht man mit dem gemeinen Spanier, auch garnicht erst ein Gespräch, in bezug zur Tierquälerei anfangen. Selbst Hippys reagieren empört und erzählen einem etwas von der Ehre des Stieres, die nur in einem Kampf, richtig gewürdigt werden kann.
Nun , ich sehe das so. Ein Volk das seine Tiere und zwar millionenfach, schon bei der Aufzucht quält, indem es die Tiere in viel zu engen Boxen mästet und sie danach als gerade mal Pubertierende, zur Schlachtung bringt(glaubt mir sie wissen das sie in dem Schlachthof sterben werden, denn sie hören die Schreie ihrer Artgenossen und sie riechen den Tot), kann sich nicht über andere beschweren.
Der spanische Kampfstier rennt über riesige Weiden, kann mit seinen Kumpels richtig rumtoben und wenn er ein gewisses Alter erreicht hat(da wo unser heimischer Ochse schon lange im Kochtopf gelandet ist), wird er noch eine ganze Zeit trainiert, damit er schnell und wendig wird.
Bevor sich also jemand beschwert, ist vielleicht ersteinmal die eigene Position, als fleischessender Endverbraucher zu überprüfen. Das für mich wahre Gesetz heißt "Du sollst nicht töten", damit sind auch die Tiere gemeint und als Superfleischproduzenten und millionenfache Mörder halbwüchsiger Lebewesen(die wie gesagt schon in ihrer kurzen Lebensphase gequält werden),
gehören wir zu den letzten, die andere mit Worten wie Tierquälerei gängeln dürfen!

Im übrigen gibt es auch eine Gegenveranstaltung, die wenige Tage vorher stattfindet. Mehrere hundert Aktivisten, rennen, meist nur mit Hörnern und roten Schärpen bekleidet, ebenfalls durch die Stadt.
Photosdavon

Zurück zur PartyEine spanische Fiesta ist hemmungsloser denn ein deutsches Stadtfest. Oben in den Bildern, kann man sehen das die jungen Männer, weiße Anzüge mit einer roten Schärpe tragen. Die Farbe des Gürtels, erklärt dem Kundigen, welcher Junta(Gruppe) der Träger angehört. Die weiße Kleidung, soll hingegen dem Besitzer zeigen und erinnern, wie sehr und wo er letzte Nacht wieder rumgesaut hat. Augenzwinkernd erklärte es Ulla mir so. Ist aber auch nachvollziehbar. Oder? Die roten Farben, die die Menschen überwiegend in den obigen Bildern tragen, weisen wohl darauf hin, das es organisierte Läufer sind. So können sich die Stierläufer, auch ausserhalb der Laufstrecke, etwa auf der eigentlichen Fiesta, erkennen.
Die Fete beginnt also am 7.7., morgens um sieben Uhr, mit dem ersten Lauf. Das ganze Spektakel endet ungefähr nach einer Stunde. Nun konzentriert sich alles aufs Feiern, das heißt saufen bis zum Umfallen. Die ganze Stadt, jede Bar, alles, überall ist es Pickepackevoll. Die Leute auch. Viele tragen Lederbeutel, gefüllt mit Wein, bei sich. Auch ich. Diese Beutel sind Cool. Man kann sie an einem Lederband, das durch Schlaufen läuft, die mittig um den Beutelkörper befestigt sind, locker über die Schulter tragen. Wenn am Tresen, dann die Wartezeiten zu lang werden, kann man sich schon mal ein Tröpfchen genehmigen. Am oberen Ende dieses Ledersackes, ist eine zuschraubbare Trinktülle aus Hartplastik angebracht. Wenn man trinken möchte, hält man den Sack, am ausgestreckten Arm nach oben, die Trinktülle nach unten zeigend. Mit einem langen Strahl, schießt man sich das Gesöff, in den Mund. Je stärker man dabei den Sack drückt, desdo kräftiger ist auch der Strahl. Braucht ein bischen Übung, macht dann aber auch Spass. Ziemlich praktisch, diese Beutel, auch im Alltagsgebrauch.
Mit den Basken selbst, kam ich ziemlich gut klar. Vielleicht lag es ja an meinem Ledersack, gefüllt mit Wein, das ich so leicht Bekanntschaften mit ihnen schloss, die mir mal wieder unglaubliche Erlebnisse brachte.
Mal wieder hatte ich keine müde Pesetea auf Tasche und Ulla, mit unserer Knete bestückt, war sonstwo unterwegs. Wir hatten zwar für den Fall das wir uns verlieren sollten(was natürlich andauernd geschah), Treffpunkte- und Zeiten abgemacht, aber so ein Zeitpunkt war noch nicht.
Während ich durch die Altstadt schlendere, sehe ich eine Pinte, die mir gut gefallen könnte, aber, ich bin ja mal wieder Platt.
Vor der Tür, auf einem Geländer, lümmelt ein anarcho-schwarz gekleiderter Baske, ungefähr mein alter. Mir kam es immer so vor, als ob nicht ein paar Prozent der Basken Terroristen wären, sondern alle. Hab mich bei ihnen immer sehr wohl gefühlt. Der Typ grinst mich jedenfalls an und sagt:"Na Alter, wieder mal Pleite? Komm ich lad dich zu nen Bier ein." Sag mal hab ich n Schild an der Stirn, wo immer alle Informationen, über mich draufstehen? Den Kerl kenn ich nicht. Woher weiss der das?
Die Einladung nehme ich dankend an und wir beide pflanzen uns an den Tresen. Wir sind ein bischen vom Zentrum der Stadt und damit auch von der Party weg und so ist auch mal ein bischen Platz. Zum hinsetzen und Ellenbogen ausfahren. Auch mal ganz entspannend, nach dem Gedränge. Wir unterhalten uns und er nennt mich "Wikingo". Komisch, die Spanier nennen mich immer "Aleman"(Deutscher), wärend die Basken mich alle wikinger rufen.
Nachdem mein Saufkumpan erfahren hat, wo ich herkomme, sagt er "Ah Hamburgos" und dann "Haffenstrassse"(Die Spanier können bestimmte Buchstaben nicht so gut aussprechen). Hafenstraße soll das heißen und es ist typisch, das einem Basken, zuerst ein Ort unzähliger Schlachten um besetzte Häuser einfällt, wenn er Deutschland hört. Sag ich doch, das ganze Land ist eine einzige Terrorzelle, grinse ich in mich rein.

Ulla stieß zu uns. Keine Ahnung, wie die mich unter 180.000 Einwohnern plus hunterdtausenden Besuchern, wieder gefunden hat. Sie sagt, das sie einfach mal in eine ruhigere Gegend wollte und dann diese Pinte gesehen hat. Nun gut, mit mir könnt ihr es ja machen. Jedenfalls hab ich jetzt wieder Pesetas und kann mich aktiv daran beteiligen, den Tresen mit Gläsern vollzustellen.
Irgendwann kommt die Saxophonistin rein. Die hatte ich ein paar Stunden vorher kennengelernt. Ein paar Stücke von ihr, hatte ich mir angehört(sie war wirklich gut), bevor ich meiner Wege zog. Sie war richtig hübsch, groß für eine Spanierin und besaß lange Straßenköterblonde Haare. Wir hatten zwischen zwei Auftritten, heftig miteinander geflirtet. Nun kommt sie auch noch herein. Langsam wird es komisch. Bin ich ein Magnet? Niemanden habe ich gesagt, wo ich hingehe.
Sie erkennt mich und stürzt freudig auf mich zu. Auch ich freue mich, wir umarmen uns, wobei ich merke, das sie mittlerweile nicht mehr allein ist. Heißt, sie hat nen Trip(haluzinogene Droge) geklinkt. Nichts besonderes, auf ner spanischen Fiesta. Außer Alkohol und Kif, tun sie sich alles mögliche in den Kopf, um high, breit oder sonstwas zu sein. Auf jedem zweiten Klo, kann man zu einer Nase eingeladen werden.
So ein Trip, ist eine seltsame Sache. Er geht direkt in den Schädel und öffnet Welten, von denen wir sonst nur selten etwas mitbekommen. Man kann Sachen sehen, riechen, hören, schmecken und vor allem fühlen, von denen wir keine oder nur wenig Ahnung haben. Diese Welt ist real, nur, den meißten von uns, wegen Beschränktheit, verschlossen. In diesem Zustand, schwingen wir anders. Es gibt übrigens ne menge Leute, die auf einem Trip, ein UfO gesehen haben. Hm, könnte man sagen, ja, ja, diese durchgeknallten, dann sehn se was. Es ist eher so, das man nun in der Lage ist sowas zu sehen. Die Augen haben die Möglichkeit, anders, schneller vielleicht, zu schauen.
Am meisten aber(jedenfalls bei mir) ist das Gefühl betroffen. Von dieser "anderen Wirklichkeit". Beispielsweise schmeiße ich jemanden ein böses Wort hinterher, mag es mich im "normalen?" Zustand erfreuen, das ich getroffen habe. Unter der Wirkung eines Trips, kann es sein, das ich mich stundenlang gräme, ob meiner schlechten Tat. Die Welt ist wesentlich gefühlvoller, als uns von Tier- und Naturmord verrohten Wesen, bewusst ist.
Jedenfalls kommt dieses, vom Kosmos geküsste Wesen auf mich zu und schmust heftig mit mir. Auf einmal bemerkt sie das Ulla wohl zu mir gehört. Ihr Gesicht fällt ein und sie fängt an zu weinen, darüber das sie sich so rücksichtslos zwischen zwei Menschen stellt. Ulla und ich versuchen sie zu beruhigen, so nach dem Motto, ist doch Party und wir wollen uns doch alle nur amüsieren. Keine Chance, wenn jemand auf so ner "Reise" ist, dann lebt er aufgrund seines erhöhten Bewußtseins, die Welt mit mehr Konsequenz. Man weiss mehr, also kann auch das Bedürfniss, mehr zu tun oder hehrer zu handeln, geweckt werden. Es ist eben nun mal so, das man den Partner eines anderen nicht angräbt. In unserer maßlosen und von lockerer Freizeitgestaltung, geprägten Welt, kann ein offenes(?) Sexualverhalten als normal gelten. In Wirklichkeit ist das anders. Einer wahreren und gefühlvolleren Welt anhaftend, hat die Saxophonistin gesehen, das sie die Bindung zwischen Ulla und mir stört und sich die Schuld gegeben. Obwohl ich wohl der wahre Schuldige war. Aber das kann son Tripper eben oft nur schwer auseinanderhalten. Es ist nicht einfach, mit einem beschränkten Gehirn, aus einer beschränkten Welt, in ein Universum einzutauchen, das eine größere Wahrheit und mehr Konsequenzen zu bieten hat.
Irgendwann verschwand die Braut in den Tiefen der Kneipe und noch was später gingen Ulla und meine Wenigkeit schlafen.
Die ganzen letzten Tage hatten wir bei Verwandten von Ulla genächtigt. Jetzt aber hatten sich andere Bekannte angemeldet und wir mußten weichen. Klar, alle Zimmer dieser Stadt waren vergeben, also gingen wir zu einer großen Wiese, auf der tausende von Menschen lagerten.
Wir suchten uns ein freies Plätzchen und legten uns ab. Natürlich forderte Ulla meine partnerschaftlichen Pflichten ein. So kam es, das jemand sich aus meiner runtergelassenen(und dadurch sich leichter zu bedienenden) Gesäßtasche, meine Brieftasche klaute. Muß man sich mal vorstellen. Aber war nicht ganz so wild, kaum noch Knete in der Börse.
Durch die ganze Aufregung kam ich endlich mal dazu früh aufzustehen und wir erinnern uns, endlich mal das Stiertreiben anzuschauen, das ja nur morgens um 7 in der Früh stattfindet.
Man kann sich das kaum vorstellen, 10-tausende von Besoffenen, schaffen es tatsächlich, sich morgens an die abgesperrten Straßen zu stellen. Es ist richtig was los und schwer sich ein geeignetes Plätzchen zu erobern, von wo aus man auch vernünftig gucken kann. Mit einem anderen Boratschero(besoffenen) teilte ich mir einen, ca. 3 meter hohen Pfostenkopf. Jedem von uns stand nur eine halbe Hinterbacke zur Verfügung. Mein Companero konnte sich aber wenigstens an einer Hauswand festhalten. Wir teilten unsere Getränke(Wein und Whisky) redlich und waren trotz schmerzenden Allerwertesten, guter Dinge. Dann kamen sie. Zuerst die schnellsten Läufer. Danach die nicht so schnellen, gemischt mit den ersten schwarzen Kampfstieren. Wahnsinn, es gilt als mutig, eine Zeit neben so einem Stier herzulaufen. Diese aber finden das nicht so gut, da kann es einem schon passieren, das man ein paar meter durch die Luft fliegt. Liegen die Protagonisten dann auf der Erde, bleiben sie flach liegen und halten nur schützend die Hände über den Kopf. Die Rinder springen über die Liegenden und treten sie nicht. Erstaunlich oder? Noch später kommen die langsameren der Läufer und normale Ochsen und Jungstiere. Das ganze dauert gerade mal ein paar Minuten, dann ist der Spuk vorbei. Viele der Touristen gehen in die Arena, wo alles endet und abends die Kämpfe sind. Mich aber zog es in die Stadt. Wir wollten am nächsten Tag gen Heimat fahren, also noch mal ordentlich abpumpen.
Einer meiner liebsten Aufenthaltsorte dieser Tage war einer der großen Plätze. Umsäumt von Gaststätten, steht hier in der Mitte ein großer Pfeiler(Pilar), rund zehn meter hoch. Unten ist es noch ein Brunnen, dann verjüngt er sich nach oben immer mehr. Man kann gut an ihm hochklettern und das tun dann auch viele. Ist man oben angekommen, springt man wieder runter!?!
Kein Witz, das machen die wirklich. Sie breiten ihre Arme und Beine aus und springen dann in das Volk. Ungefähr wie ein Bauchklatscher im Freibad. Nur eben nicht ins Wasser, sondern in die Leute. Die stehen bereit, in zwei Reihen gegenüber, bilden also ein Spalier. Wobei sie sich die Hände halten. So das zwischen den beiden Menschenreihen eine Matte aus Armen und Händen entsteht. Genau da hüpfen die Springer rein. Die untenstehenden sind meist Kumpels und Verwandte des Mutigen. Es bilden sich aber auch freiwillige Reihen.
Gibt natürlich welche, die klettern hoch und trauen sich dann nicht mehr zu springen. Das muss man mal gesehen haben. Diese Typen werden gnadenlos mit Coladosen runtergeholt. Ehrlich, das erzürnte Volk, wirft solange mit Gegenständen, bis der beworfene doch springt oder fällt. Runterklettern schafft kaum jemand, ist man erstmal oben, kann sich der Springer fast nirgendwo mehr richtig festhalten und stürzt. Harte Sitten, hatte ich schon erwähnt das ich die Basken liebe? Brauch keiner ne große Klappe zu haben, wenn er das nicht halten kann was er verspricht.

Zur Polizei musste ich noch. Nächtens vorher, als mir beim guten alten "Rein- und Rausspiel" das Portmonaie geklaut wurde, verschwand unter anderen auch mein Führerschein. Es galt also Ersatz zu beschaffen. Selbstverständlich hatten die Ordnungshüter, Stellen für solche Eventuallitäten eingerichtet. Dort bekam ich ein Ersatzpapier, in welchem stand, das ich obwohl ich keinen Führerschein habe, doch Auto fahren darf. Diese "Ersatzpappe" hat mir später noch viel geholfen.
Nachdem ich mich wieder mit Ulla getroffen hatte, beschlossen wir uns noch einmal zu reinigen. Die offiziellen Badehäuser waren sämtlich überfüllt. Warteschlangen bis Ultimo. Wir hatten aber von Duschen gehört, extra für Touristen eingerichtet. Also hin da.
Es waren Massenduschen, gespeist mit dem kalten Felswasser der Berge. 8 Grad sagte man uns. Sie hatten einfach Rohre mit Duschköpfen verlegt und an Quellwasser angeschlossen. Um das ganze, hohe Aufstellgitter mit Plastikplanen(Schamwände) gestellt. Wir wurden immer zu ca. 30 Mann reingelassen. Nach Geschlechtern getrennt. Beim warten konnte man gut die Kälte hören. Am gestotter der vor uns duschenden. T t the wa wa wa te ter i i is fu fu fucking co co cold. Die anderen Wartenden, allesamt Amis und ich schauten uns an. So jämmerlich wollten wir uns nicht präsentieren. Wir beschlossen wenigstens ein Liedchen zu trällern. Dann wurden wir eingelassen.
Das Wasser war wirklich fu fu fucking co cold. Höchstens 6 Grad. Mehr noch vermuteten wir aber, das die Basken eine Erfindung gemacht hatten, die es ermöglicht das Eis flüssig zu halten. Mein Englisch ist nicht so besonders, aber ein Lied kannte ich doch "When Jonny comes marching home again". Es war herrlich. Wir standen mit 30 Mann und sangen stotternd und vor Kälte bibbernd:"Wh wh when Jo Jo Jo Jonny ....". Kerle können ne menge Spass haben wenn sie son Unsinn machen und dabei noch widrigen Umständen trotzen. Auch witzig, unsere Nachfolger die uns zwar hören doch nicht sehen konnten, waren voller Unverständniss. Als sie eingelassen wurden und wir uns abtrockneten, schauten sie uns nur fragend an. Sie konnten sich einfach keinen Reim darauf machen was wir da wohl veranstaltet hatten.

Ulla und ich packten unsere Sachen und machten uns auf den Weg. Unterwegs machten wir Rast, bei einem Teil ihrer Familie, irgendwo in Aragon. Eine Verwandte hatte Geburtstag und so trafen sich die Teile der Sippe, die in der Nähe wohnten oder gerade in der Nähe waren(so wie wir), zu einem kleinen Umtrunk.
Die meisten von Ullas Verwandten waren Aragones und kamen hier aus der Gegend. Wie viele der nördlichen Spanier, behaupteten sie eigentlich Basken zu sein, die hier große Sympathien genossen.
Die Häuser haben hier einen anderen Baustiel, als im restlichen Espana. Nicht so viel Lehm, mehr Stein. Ist ja auch ein anderes Klima, oben in den Bergen. Sieht ein bischen Alpenländisch aus, aber nicht bayrisch, eher so Richtung Frankreich.
Nachdem wir so an die eineinhalb Tage Geburtstag gefeiert hatten, fuhren wir beide endgültig in die Heimat, nach Fraga.
Abends kamen wir an und der gemeine Spanier, schmeißt schnell seine Sachen in die Ecke und dann ab in die Gesellschaft. So auch wir und trafen mit anderen Pamplona-Reisenden, in unseren Stammkneipen aufeinander, wo wir uns dann unter großem Hallo die erlebten Abenteuer auftischten.
Dann begann wieder der Enst des Alltags. Es war Mitte Juni, das heißt hierzulande schon Erntezeit. Es gab viel zu tun und das war auch gut so, wir musten unsere leergezechten Kassen wieder auffüllen.
Auch der Apfel hatte jetzt Saison und so trudelten langsam aber mit jedem Tag sicherer, die alten Kollegen ein. Unter Ihnen auch Bassi. Das war schon seltsam, er der mich vor rund einem Jahr eingeführt hatte, kam nun zu mir. Hm, jetzt war ich der Förderer.

Familienvater

Allerdings suchte er sich einen Job, bei einem Apfelbauer ausserhalb. Wir sahen uns also nur noch sporadisch oder an den Wochenenden.
Ulla und ich gingen unserer Arbeit nach und Pal kam in die Schule. Mein spanisch war mittlerweise ziemlich gediegen und so gehörte es zu meinen Aufgaben, dem Kleinen bei den Schulaufgaben zu helfen, da ich auch früher von der Arbeit zu Haus war als Ulla. Ist das nicht klasse, ein Ausländer bringt einem Einheimischen seine Sprache nahe? Abgesehen von den Schulzeiten, -spanische Kinder gehen von 9-13 Uhr und nach einer längeren Siesta, nochmal nachmittags zur Schule-, war das System praktisch das gleiche wie bei uns.
Wenn Pal also aus der Schule kam, setzten wir uns mit der Fibel hin und übten Sätze wie "Ala malt einen Ball". Er schrieb und ich passte auf das das alles richtig war. Auch ne gute Übung für mich. Waren wir fertig, durfte er raus zum spielen und ich ging Aufgaben wie einkaufen oder ähnlichem nach. Manchmal kochte ich oder bereitete für Ulla vor, doch im allgemeinen war das ihr Job.
Abends nach dem Essen(in Spanien wird die warme Hauptmahlzeit aufgrund der Hitze zwischen 22.00 und 24.00 Uhr zu sich genommen), gingen Ulla und ich noch ein paar Bierchen trinken. In dieser Zeit schlief ich monatelang jeden Tag nur zwei höchstens drei Stunden, denn nach dem Bier wird man immer noch so anhänglich. Ma sehn wie lange ich das durchhalte, dachte ich fügsam. Und nachdem das alles monatespäter vorbei war, na siehste geht doch. Der Mensch ist also fähig, eine gewisse Zeit mit Schlafmangel auszukommen. Jedenfalls wenn es Spass macht. Bin Wissenschaftler. Hatte ich das schon erwähnt?
Der Spanier an sich ist sehr Kurzreisetüchtig. Das heißt, wenn irgendwo eine Familienfeier, ein Stadtfest oder ähnliches stattfindet, fährt er kurz mal hin. In Huesca(ca. 60 km entfernt) war Stadtfest, besser gesagt Erntedankfest, denn der Pfirsich war eingeholt und geerntet. Also alle Mann hin. Mit mehreren Autos. Nachdem wir angekommen waren, pressten Ulla und ich uns durch die gröhlende und jubelnde Menge, bis wir ein halbwegs beruhigtes Plätzchen in einer Gaststätte fanden. Im Fernseher über der Tür(da steht er oft), lief "la familia Drombusch", genau diese Drombuschs. Wohin muss man sich eigentlich verpieseln um der deutschen Kultur zu entkommen? Ulla beruhigte mich mit Sätzen wie: "Der Spanier findet Drombusch viel besser als "Dallas". Na denn. Interessanter fand ich da schon die Bande der ungefähr 30 Punks, die durch das Etablisment tobten. Sie spielten Massenschlägerei. Das heißt, sie gaben sich Luftfaustschläge und ebensolche Tritte, die der geschlagene mit herrlichen rückwärts Saltos oder ähnlichen Kapriolen quittierte. In die ganze Angelegenheit nicht wirklich involviert, sondern nur saufender Zuschauer, genoss ich die Vorstellung.
Später, wir zogen gerade durch die Stadt, flog Rico mit einigen Kolegen ein. Sie hatten Kisten mit angefaulten und angedetschten Pfirsichen dabei und fingen sofort an, die faulen Früchte in die Menge zu feuern. Halli, hallo. Im nu holten auch andere Bewohner und Sautouristen, ihre Kisten aus Wohnungen, Garagen und Autos. Sofort war eine wilde Schlacht im Gange, die bald die ganze Stadt erfasste. Einiges später, die Ortschaft ist von oben bis unten mit faulen Pfirsichfleisch und Saft besudelt, geht das Gezeche weiter als ob nie irgendetwas gewesen wär.
Viele Stunden danach, es ist nachts 2 oder 3 Uhr etwa. Ulla und ich sitzen in einem Hauseingang und rauchen einen Joint. Ein Typ gesellt sich zu uns, er und Ulla unterhalten sich. Aufeinmal gröhlt Ulla los:"Mucha policia, poca diversion, un error, un error"(viel Polizei, keine Freude, ein Fehler, ein Fehler). Ein Zivilpolizist hatte versucht sich an uns ranzumachen und war von meiner Begleiterin geoutet worden. Ha, das hatte er sich so gedacht, doch Ulla hatte früher gegen "Franco" gekämpft und konnte solche Typen locker erkennen. Nachdem sie dann den Text gesungen(gegröhlt) hatte, kamen aus allen Ecken und Winkeln betrunkene Revoluzzer gekrochen und gelaufen, denn das kleine Liedchen war sehr bekannt. Der Bulle musste ganz schnell Reisaus nehmen, sonst hätte er mächtig auf die Mütze bekommen. Ja das war Ulla. Wir gingen in das Auto und rauchten, diesmal in Ruhe gelassen von übereifrigen Staatsdienern, eine Rolle, bevor wir uns in die unbequemen Sitze drückten, um ne Rutsche Schlaf abzubekommen.

Fortsetzung folgt .

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