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Montag , meine erste spanisch Arbeit . Es ist herrlich , in den Bäumen
rumklettern und Äpfel pflücken , wie in der Kindheit und auch
noch Geld damit verdienen . Mein wahres Arbeitspotential stellen allerdings
meine langen , sehr , sehr geherprobten Beine da . So wurde ich schon nach
wenigen Tagen "Kubu-Men" . Kubu , so heißen die Eimer in denen die
Früchte gesammelt werden , bevor sie in einer der großen Kisten
auf dem Traktoranhänger , geschüttet werden . Als Kubumen war es
nun meine Arbeit , den Pflückern die vollen Kubus abzunehmen und lehre
zu reichen . Es machte Spaß . Zum ersten Mal in meinem Leben machte
Arbeit , Spaß . Nicht das die Arbeit unanstrengend war , das war ein
ganz schönes gekeule . Doch ich merkte das erste Mal , das eine Aufgabe
, auch eine Einfache , erfüllend sein kann , selbst dann wenn sie
anstrengend ist . Das ja keiner denkt , bis dato hätte ich nie richtig
gearbeitet , ich hatte schon einiges Malocht , jahrelang Schichtarbeit und
so . Aber ich habe meine Jobs einfach nur gemacht , notwendiges Übel
um den Lebensunterhalt zu gewährleisten . Hier waren die Menschen
freundlich zu mir und lachten untereinander . Niemand erzählte mir
was ich besser machen könne oder gar wie ich meinen Kubu zu händeln
habe . Zum ersten Mal in meinem Leben stand ich morgens auf und freute mich
darauf , zur Arbeit zu können .
Zu verdienen gab es pro Tag so 3.000-4.000 Pesetas , das waren damals
runde 50-70 DM , wovon ich mir 1.000 am Tag auszahlen ließ und den
Rest zum Wochenende .
Vorerst schlief ich draußen , das mache ich gerne und das waschen
konnte man an einen der zahlreichen Brunnen erledigen die überall in
Spanien zur Erfrischung rumstehen . Außerdem gibt es in jeder spanischen
Ansiedlung , Kneipen die morgens um 6 Uhr öffnen und wo man fürn
paar Groschen , einen Kaffee ziehen kann . Die meisten bringen sich vom
Bäcker noch ein Donut mit , das ist ganz normal und nicht mit dem
hiesigen Verzehrzwang zu vergleichen .
Bassi lud mich ein zu einem Kumpel , dort zu schlafen , das lehnte ich aber
ab , denn ich liebe mein ungezwungenes Leben , das jetzt von mir entdeckt
wurde . Also fing Bassi an , mit mir da draußen zu schlafen , denn
als mein Entdecker oder so , fühlte er sich für mich verantwortlich
. Bald lernte ich allerdings Ulla(Name von der Redaktion geändert)
kennen und das Ganze kam in eine neue Richtung .
Ulla war einige Jahre älter denn ich , zechte und kiffte gleich gern
und ab und an rüsselte sie auch wenn sie dazu eingeladen wurde .
Früher war sie wohl auch mal giftig(Junki) gewesen , nicht desdo
trotz hatte sie erfolgreich zwei Bengels groß gezogen . Die waren
sechs und der andere 12 jahre alt und hießen Ivo und Pal(Namen v.d.R.g.)
. Der ältere , Ivo war blond und Pal dunkel . Eindrucksvoll , das
erinnerte mich stark an meinen kürzlich verstorbenen Bruder . Auch
er hatte dunkle Haare während ich blond(Straßenköterblond)
bin , auch bei uns war der Altersunterschied so groß , auch unsere
Mutter zog uns Alleinerziehend hoch . Pal hatte ich schon einige wenige Tage
früher kennengelernt , als er an meinem Hemd zupfelte und immer Chuster
zu mir sagte . In meinem Wörterbuch konnte ich nichts finden , des
Rätsels Lösung : damals trug ich noch einen Schnäuzer und
sah mit meiner großen Statur und meinen längeren blonden Haaren
aus wie der große Bernd Schuster(Fussballspieler) der sein Geld in
dieser Zeit bei Real Madrid verdiente und in Spanien ein absoluter Superstar
war . Ziemlich oft passierte mir das jemand mich mit "Don Bernado" verwechselte
und es kam auch schon mal vor das ich generös Autogramme verteilte .
Die Spanier können kein "Sch" aussprechen(arme Kerle können keine
deutschen Fäkalwörter sagen , man gut das sie Spanier sind) und
so sagen sie eben Chuster statt Schuster .
Nachdem Ulla und ich uns näher kennengelernt hatten , dauerte es
nicht mehr lange und ich gab meine wohlbehütende Freiheit auf und zog
in ihr Haus . Sie hatte eine Putzstelle in der Bibliothek und wenn ich vom
Apfelpflücken heimkehrte und Ulla hatte noch Arbeit , konnte ich in den
Büchern auf ihrem Arbeitsplatz nachlesen(mein spanisch wurde jetzt
zusehends besser) , das "Fraga" , der Ort in dem wir lebten von einem deutschen
König(Völkerwanderung) gegründet wurde . Überhaupt ,
spanisch lernen . Das viel mir sehr leicht und mein Hang , Erwachsenen-Comix
zu frönen , förderte das ganze noch , denn Spanien ist voll mit
solcher Literatur und so manche Geschichte kannte ich schon aus deutschen
Heften . Da soll noch einer sagen Comik lesen schadet .
Ulla und ich schmissen das Geld in eine Kasse und wir lebten richtig Familie .
Es war das erste mal in meinem Leben das ich so etwas wie einen
Familienvater darstellte .
Seit nicht ganz einem Jahr war ich zu diesem Zeitpunkt schon richtiger
Vater(Perdona , Erzeuger , Vater sein ist noch was anderes) !
Nehme stark an das , das einer der Hauptgründe für den Aufbruch
in ein anderes Land war . Abgesehen von meiner Rastlosigkeit .
Die Geschichte mit der Mutter , war nämlich schon gelaufen(im 7ten
Monat der Schwangerschaft habe ich erfahren das da was auf mich zukommt).
Ein neuer Typ war auch schon da . Also , Flucht nach vorne .
Mit dem jungen(erstmalig) Führerschein und dem ersten Auto(Käfer
350.- DM) , auf in mein Lieblingsland .
Hm , vielleicht hat mein Schicksal das auch so gesehen . Wenn schon Erzeuger
, dann auch den Papa machen . Wenigstens ein bischen ! Es geht um das Lernen
glaub ich .
Mit den beiden Jungs kam ich ganz gut klar . Mein Kind , eine kleine süße
Tochter , hatte ich aber schon gesehen und diese emotionale Bindung konnte
ich nicht zu den Knaben aufbauen .
Trotzdem fand ich die Rolle des Vaters nicht schlecht . Man kann gut vergleichen
mit seiner eigenen Kindheit und Sachen die als Junge nicht so klar waren ,
aus einem anderen Blickwinkel , nämlich dem des Erwachsenen , sehen
und verstehen . Interessant fand ich auch das Spielzeug . Ivo(der ältere)
hatte , genau wie ich in meiner
Kindzeit , aus einem Gewehr ähnlichen Brett , 2 kleinen Nägeln
, einer Wäscheklammer und einem Einweck-Gummi , einen Schussapparat
zusammengebaut . Diese Parallelen . Aber auch sonst fühlte ich mich in
meine Kindheit zurück katapultiert , jedenfalls was die Spielsachen
betraf . Spanien war zu jener Zeit noch nicht so technisiert -sagen wir
besser amerikanisiert- wie wir Deutschen etwa . Spiele wie z.B. Schnitzeljagd
-die ich persönlich für viel kreativer halte- waren hier noch
der Alltag und nicht die Ausnahme .
Es wurde Herbst und die Äpfel weniger , glaub Ulla hätte mich gern noch ein bischen behalten , doch es gab nichts mehr zu verdienen . Schlussendlich war ich ganz froh darüber , der Nomade in mir meldete sich nachdrücklich und so wurde Abschied genommen . Chronologisch gesehen war die nächste Frucht die Apfelsine , zu der machte ich mich auf den Weg . Ulla und ich verabredeten noch vage ein Treffen , zu der sie sich mit einer gemeinsamen Freundin auch irgendwann mal aufgerafft hatte , jedoch konnte sie mich nicht finden , wie sie mir später einmal erzählte .
Zum schlafen teilte Bassi mir das Zimmer seiner Schwester zu , die
ebenfalls Früchte pflückte und derzeit in den Orangen weilte .
Das Zimmer ging nach hinten raus in den Hof , indem auch ein Esel sein
Dasein fristete . Dieses Huftier hatte eine merkwürdige Eigenschaft
ansich . Jede Nacht , recht pünktlich um 12 Uhr , brüllte es
herzzerreißend und mich jedesmal wachmachend , sein lautes "I-Ah"
in die Nacht heraus . Es war irgendwie Angstmachend , obwohl ich nicht
unbedingt ein ängstlicher Typ bin und die Luft war voll mit einer
unglaublich starken und bedrückenden Simmung . Wenn ich Bassi darauf
ansprach , schüttelte er nur seine Achseln und druckste rum . Nachdem
ich einige Zeit später , mit Vicenta , so heißt Bassis Schwester
, darüber geredet hatte , klärte sich einiges auf . Sie erzählte
mir folgende Geschichte . Vor einigen Jahren war eine Nachbarin , die
alleinlebend sehr dem Alkohol zugesprochen hatte , in der angrenzenden
Wohnung gestorben . Im Schlaf war sie von einem Wohnungsbrandt überrascht
worden . Die Wohnung muß zu dem Zeitpunkt , indem sie Wach wurde wohl
schon lichterloh in Flammen gestanden haben , jedenfalls kam sie nicht
mehr heraus und verbrannte . Das ganze passierte um Mitternacht und der
Esel erlebte dieses Szenario , Nacht für Nacht wieder . In der Zeit
in der der Esel schrie , überkam mich nicht nur ein beklemmender
Zustand , sondern auch ein seltsames und unschönes Gefühl , nicht
allein zu sein . Vicenta bestätigte nicht nur meine Erlebnisse , sondern
sie hatte die Nachbarin sogar mehrmals um diese Zeit , als durchsichtiges
Wesen gesehen . Das Zimmer grenzte auch genau an das Schlafzimmer in dem die
Nachbarin verbrandt war . Bassis Schwester erklärte mir noch , das
sie nie wieder in ihrem Zimmer schlafen würde und wunderte sich über
mich , das ich es solange darin ausgehalten hätte . Zu Bassis
Erklärungsnot , fällt mir nur ein , das er wohl zu den Menschen
gehört , die sich vor unerklärlichen Sachen dermaßen fürchten
, das sie einfach zumachen , wenn man sich mit ihnen über so etwas
unterhalten
möchte .
Er hatte im übrigen noch einen Zweitjob , neben seiner Fruchtpflückerei
, das war das knüpfen von Freundschaftsbändchen . Diese Bändchen
kennen wir alle . Aus farbigen Wollfäden werden schmale Armreifen mit
Mustern geknüpft . Diese Bändchen kauft man sich nicht selber ,
sondern sie werden einem geschenkt . Darum Freundschaftsbänder .
In mühseliger Heimarbeit fertigte mein Kumpan , Nacht für Nacht
, dutzende von diesen Dingern , während wir um einen großen
runden , beheizten Tisch saßen und uns unterhielten . Auch ich probierte
mich darin , nur meine groben Finger streben nach anderer Tätigkeit
. Die Versuche scheiterten kläglich . Ein Hammer passt einfach besser
in meine Hand , denn eine Stopfnadel .
Ein Satz noch zu den beheizten Tischen . In vielen Wohnungen und Häusern
in Spanien , gibt es keine Öfen oder Heizungen . Nun gibt es auch in
diesem Land kühlere Zeiten und da kommen diese Tische ins Spiel . Sie
sind groß(mindestens 6 Personen) und rund . Unten im Tisch zwischen
den Beinen , ist ein Gestell eingebaut , indem eine Blechpfanne liegt . In
diese Pfanne kommt glühende Holzkohle , noch ein Schutzsieb darüber
, damit sich niemand die Füße verbrennt und eine große Decke
über den Tisch , die bis zum Boden reicht . Alle stecken ihre Beine unter
die Tischdecke und es ist mollig warm , obwohl nur der Unterkörper
beheizt wird . Die Holzkohle glimmt stundenlang , ohne das nachgefüllt
werden muss und ich fand das ganze sehr Energieschonend . Außerdem
sitzen alle um diesen , meißt einzig beheizten Platz im Haus und
das ist sehr gesellig und unterhaltsam .
Nun , trotz aller Unterhaltung wurde mir das langsam zu dröge , ich
war jetzt schon einige Zeit hier und bekam wieder Hunger auf die Suche
nach dem Leben .
nach oben
Von einem Moment auf den anderen , konnte ich jetzt so flink , die Mandarinen
von den Bäumen holen , wie der Rest meiner Mitstreiter . Das war echt
Irre .
Jetzt kann man nicht einfach nur , dem Gezeiten- und /oder Körper -
unabhängigem Gedächnis , die Schuld , für diesen Aufschwung
in die Schuhe schieben . Auch Komponenten , wie die kleine Pause , in
Portolano(sowas ist oft gut , wenn sich Körper und Geist , mal erholen
können) , hatten ihren Anteil . Auch der geistige Druck , der auch von
mir selber , auf mich , beziehungsweise meinem Gehirn , ausgeübt wurde
, spielten eine Rolle . Um sagen wir mal , eine Lösung für mich
zu finden .
Nun kamen noch andere Sachen ins Spiel , die meinen neuen Höhenflug
, noch unterstützten . Das eine , waren meine unglaublich gehfreudigen
Beine . Jedesmal wenn ein Baum fertig war , mußte man eine Reihe
weitergehen .
Eine Reihe weiter weg , von der Waage , die bei der ersten
Baumreihe aufgestellt wird und wo alle Apfelsinen , gesammelt werden . Das
heißt , jedesmal 5 bis 7 meter , die bis zu der Waage mehr gegangen
werden mußten . Das waren dann manchmal , an die hundert Meter und
das ist kein Pappenstiel , mit über 20 kilo auf der Schulter .
Eine andere , Ursache für meinen neuen Höhenflug , war , das die
Mandarinen , mehr oder weniger fertig waren . Jetzt wurde die Orange reif
. Diese Frucht wiederum , ist wie wir wohl alle wissen , wesentlich größer
und schwerer , als ihre kleinere Verwandte . Mit meinen großen und
auch groben Händen , war ich auf einmal im Vorteil . Jetzt wurde ich
vom Tollpatsch zum Geschickten , hatte meinen Kübel schneller voll
und damit nicht genug , meine Füße , trugen mich auch wesentlich
schneller zu der Waage . Bei so großem Obst , wie die Orangen nun mal
sind , wurde der Kübel/Kabasso , natürlich auch viel häufiger
als wie bisher , 40 mal am Tag , gefüllt .
Jetzt hechelten die Junkis hinter mir her , das Blatt hatte sich gewendet
.
Mittlerweile , rückten die Festivitäten , wie Weihnacht=Navidad
und Sylvester , näher . Normaler Weise , bin ich kein großer
Fan , solcher Partys . Obwohl es für die Kids , klasse ist , wenn
sie mit großen Augen , vor dem geschmückten Weihnachtsbaum
stehen und auf die
seit Wochen besprochenen Geschenke warten .
Doch die Spanier , können Feiern und so war ich gespannt , wie sie dieses
Fest interpretieren würden . Nun , die Geschenke für die Kinder
, gibt es erst am 6. Januar(heilige drei Könige) und das , finde ich
garnicht so schlecht , denn der kleine "Jesus" , hat ja seine Geschenke
auch erst , bei der Ankunft von Kaspar , Melchior und Balthasar bekommen
. Jedenfalls , wie die Geschichte uns unterbreitet wird .
Es gibt auch
keinen rausgeputzten Tannenbaum . Was ich auch nicht schlecht finde , meines
erachten nach , sterben schon genug Bäume , wir brauchen nicht jedes
Jahr , Millionen von Pflanzen umbringen , nur für ein paar Minuten ,
Glanz inne Augen ! Wieso der gemeine Spanier , jetzt keine Weihnachtsbäume
kennt , weiss ich nicht so genau . Nehme allerdings an , das es einfach daran
liegt , das es nicht so viele gibt , denn bei uns im feuchterem Klima ,
Mitteleuropas . Allerdings , scheint auch das , mal wieder , auf Selbstverschuldung
hinauszulaufen . Die Spanier , wollten vor rund 500 Jahren , unbedingt
See-Großmacht werden und bauten ihre riesige "Armada" . Dafür
holzten sie riesige Mengen , ihres Baumbestandes ab , so nach dem Motto :
wächst ja wieder nach . Doch die Natur , ist unglaublich eingespielt
und wenn man Ihr , einfach eine Komponente wegnimmt , so hat das seine
Auswirkungen . In diesem Fall eben , das Nicht-Nachwachsen , von neuen
Bäumen . So hatte der Boden keinen Schutz mehr , vor Winden und Regen
und verkarste und trocknete aus . Wahrscheinlich , hätte Spanien ,
heute ein anderes Klima , nicht ganz so trocken und etwas mehr Regen vielleicht
, wenn damals , nicht so unglaubliche Flächen , abgeholzt wären
.
Übrigens , kein Grund mit den Fingern , auf Unsere europäischen
Kollegen zu zeigen . So rund 1.000 Jahre vor Ihnen , haben wir(damals hießen
wir noch Germanen) , die heutige "Lüneburger Heide geschaffen . Unsere
Vorfahren , brauchten neues Ackerland , um die anwachsende Bevölkerung
ernähren zu können . So starteten sie Aktionen , wie die Erschaffung
der Heide . Auch die Völkerwanderung , in der sie oftmals , plündernd
und raubend , durch ganz Europa , bis nach Afrika zogen , gehörte zu
ihrem Überlebenskampf . Selbstbeherrschung !
Jedenfalls , zelebrieren Spanier , Weihnachten ohne Baum . Auch wird das Fest
, nicht im heimischen Wohnzimmer , sondern im allgemeinen draußen ,
unter den Augen der Öffentlichkeit , gefeiert . Erst geht man was
Essen , in einem Restaurant , danach wird gefeiert , heißt : trinken
und singen und tanzen . Eigentlich , so wie jedes spanische Fest .
Zum Beispiel , Sylvester . Diese Fiesta , unterscheidet sich insofern von
der vorhergegangenen , das sie wesendlich heftiger und hemmungsloser
daherkommt . Es wird lange nicht soviel geballert , wie wir das kennen und
mehr Wert , auf das leibliche Wohl gelegt . Die Masse , bleibt auch länger
auf und morgens um 6 Uhr , gibt es , für die Überlebenden ,
Spritz-Gebäck , in heiße Schokolade getunkt .
Die Feiertage gingen , die Apfelsinen , holten uns in den Alltag
zurück . Unsere Junta wurde größer . Wir hatten uns , trotz
unserem giftigen Beigeschmack , den Ruf der Seriosität erobert . Man
mochte mit uns zusammenarbeiten . Mehrmals wurde ich noch auf meine frisch
erworbenen Qualitäten angesprochen . Jedes mal wies ich auf meine
, für spanische Verhältnisse , sehr großen Hände und
langen Beine hin und behielt die wahre Ursache für mich . Jose , ein
junger Mann , den ich erst jetzt kennenlernte , da er sein Geld , bis jetzt
am Mittelmeer , als Camarero=Kellner verdient hatte , erklärte mir
, das es eigentlich nur junge Leute , so im Alter von 15/17 Jahren , im
ersten Jahr schaffen , ein Ultra Pflücker zu werden . Das alles machte
mich ziemlich stolz , hielt mein Erlebniss aber trotzdem für mich .
Wer glaubt einem sowas auch ?
Die Knete wurde Freitags , in eine der Kneipen ausgezahlt und bei uns am
Tisch , gab es immer die meiste . Für einfache Leute , lebten wir
nicht schlecht und die Kneipen , die des Nachts , lange auf hatten , lebten
nicht schlecht von uns . Der Januar , der auch in Südwest-Europa , der
kälteste Monat ist , ging so langsam und man konnte die Orange wieder
anfassen , ohne dabei Krämpfe in die Finger zu bekommen .
nach oben
Es wurde Frühling und ein Typ , bot mir an , in seinem Gartenhäuschen
zu schlafen , ich müsste es nur ein bischen in Schuss halten . Gemacht
. Kennt Ihr diese südländischen , schraubbaren Expresso-Kannen
? So eine war in meinem Besitz und auch ein kleiner Camping-Gaskocher .
Jeden Morgen , schlürfte ich meinen frischgebrühten Kaffee ,
bevor ich runter in die Kneipen zog , um mich mit meinen Arbeitskollegen
zu treffen . Das mit dem Kaffee morgens , ging ganz schnell . Abends wurde
das Pulver eingefüllt und morgens nur noch auf den Kocher gestellt .
In wenigen Minuten , sprudelte das heiße Gesöff , gerade kurz
genug , um noch eben die Zähne zu putzen . Dieses Leben mag ich !
Das Leben in den Orangen , wurde jetzt ruhiger . Die Hochsaison war gelaufen
und viele Pflücker verließen die Gegend und fuhren wieder zurück
, in ihre Heimatorte . Für die Dagebliebenen , gab es aber noch genug
zu tun . Es regnete häufiger , denn es war Frühjahr und wenn es
regnet , wird nicht gepflückt . Die Apfelsinen , werden nach dem sie
vom Baum geholt werden , sofort in ein Kühlhaus gebracht , damit sie
haltbar bleiben . Befindet sich noch Wasser , an der Frucht , platzt die
Schale beim gefrieren der Feuchtigkeit . So kam es , das man jetzt immer
wieder , freie Zeit hatte , wenn ein Gewitter hereinbrach .
Einmal , es hatte mehrere Tage geregnet , also stand auch kein Job an ,
stöberte ich in den kleinen Städtchen am Mittelmeer , nach etwas
Abwechselung . Einige dieser kleinen Orte , gaben ihr Geisterstadtdasein
so langsam auf und füllten sich wieder mit Leben . Das waren noch so
gut wie keine Touristen , eher Bauern und Besitzer von Bars , die sich
langsam auf das Urlaubgeschäft einließen . Auch viele Marrokaner
, deren alljährliche Überschwemmung Spaniens , jetzt anbrach .
Mein Bares war aufgebraucht , das Auto hatte kaum noch Sprit , keine Maloche
, aufgrund der Feuchtigkeit . Fast kam so etwas wie Verzweifelung auf .
Einer der einarmigen Banditen , die in jeder Pinte dieses Landes rumstehen
, starrte mich an . Nun , ich bin kein Spieler , meine Götter , hatten
mir schon früh gezeigt , das ich mit dieser Art von Laster , nüscht
zu tun haben soll . Im allgemeinen hielt ich mich auch daran und ging dem
Glücksspiel , welcher Art auch immer aus dem Weg . Doch dieser Automat
, wollte irgendetwas von mir und so bekam er , einige meiner letzten Münzen
. Gerade wollte ich mich abwenden , da sagte einer der Nordafrikaner zu mir
, "Eyh Alter" , dein Kasten hat geschmissen und "dafür will ich aber was
abhaben" . Bekam er . Da hatte mir jemand , echt eine 100ter Serie spendiert
. Ernsthaft , beim Spiel um Geld , wollen mich meine intergalaktischen
Begleiter , nicht sehen . Das hatte sogar der skeptische Stefan begriffen
und nun das . Wer weiss , wie laut ich mein bischen Pein , wieder in das
Universum hinausgebrüllt habe . Vielleicht hat mich aber Irgendjemand
auch einfach nur lieb .
Nicht nur für Freunde der spanischen Sprache , dieser hübsch gemachte
kleine Streifen .
UfO=OVNI
Sein Name war Theo(N.v.d.R.g.) und er käme aus Wien . Er wollte nach
Süden und nur mal so gucken und was ich denn so machen würde .
Meine Erzählungen , über eine Maloche , bei der man sich tief
bücken muß , beeindruckte ihn nicht sonderlich . Nichtdesdotrotz
fuhr er weiter mit .
Wir kamen in "Huelva" an , eine Stadt in der Nähe der portugiesischen
Grenze und großes Zentrum , spanischer Erdbeeraktivitäten . Die
Zeit war schlecht , es gab wenig Beeren , dafür um so mehr Pflücker
, die das gleich wollten wie ich .
In der Zwischenzeit , hatte Theo mir erzählt , das er frisch ausm Knast
kam und eigentlich nicht vorhatte , zu buckeln . Man könne an das Geld
auch leichter herankommen . Betteln , stehlen und Einbrüche machen .
So am zweiten Tag , unseres Beisammenseins , ging ich so langsam , auf seine
Vorschläge ein . Es ist wirklich schwer , im armen Andalusien , einen
Job aufzutun , das soll aber keine Ausrede sein . Es war eher , die Lust
auf meine Vergangenheit . Es juckte in den Knochen , ob ich die alten
Fertigkeiten noch behersche und natürlich , Bock auf Abenteuer . Die
Führung überlies ich erstmal Theo . Nun , wir lungerten rum , auf der
Suche nach Beute und Theo zeigte mir , wie man in christlichen Institutionen
, Kirchen und so , was zu essen oder manchmal sogar ein bischen Geld bekommen
kann . Einmal , es war früher Abend und wir mal wieder Pleite , da bekam
ich Lust , auf einen Wein . Die ganzen Tage hatte ich mich sehr schwer getan
, mit der Art zu betteln , wie wir das taten . Irgendwelche Caritativen
Einrichtungen , um das Kram anzuhauen , welches für wirklich Bedürftige
gedacht ist . Wir saßen also in einer Innenstadt , um uns pulsierte
das Leben , da kam mir eine Idee . Jeder von uns beiden , nimmt eine Staßenseite
und haut die Leute so lange um Geld an , bis genug für ne Tüte
Wein zusammen gekommen ist . Gesagt , getan . Es war der Wettkampf , der
mich reizte , denn das betteln ansich mochte ich nicht . Doch so , konnte
ich meinen Kolegen , immer auf der anderen Straßenseite beobachten ,
mit meinen ersten Erfolgen wachsen und mit den Seinen hochrechnen . Nachdem
ich so , meine 2 Flaschen zusammen hatte , hörten wir wieder auf , machten
Kassensturz und lösten die Moneten gegen Wein ein .
Alles nicht so rentabel , so schlug ich am nächsten Tag vor , doch ein
paar Einbrüche
zu machen . "Endlich wirst du vernünftig" , sagte Theo daraufhin . Wir
einigten uns darauf , die Beute in den Vorstädten , der Touristencentren
am Meer , zu suchen . Hier hatten viele Ausländer , sprich Engländer
, Deutsche , andere Europäer , ihre festen Sommerresidenzen . Hier war
die Gefahr , durch Eigentümer überrascht zu werden geringer , denn
es war noch keine Saison . Hier versprachen wir uns einfach mehr , schließlich
waren die Besitzer dieser Bungalow , keine Ärmlinge .
Gesagt , getan , noch in der gleichen Nacht , machten wir uns mit Werkzeug
aus dem Wagen , auf den Weg .
So gut kam Theo nicht klar , mit der ersten Tür , die es zu öffnen
galt . Schon bald übernahm ich das Ruder . Junge , Junge war das herrlich
. Eine alte vertraute Arbeit . Es pulsierte in meinen Adern , während
meine Gedanken sich überschlugen , wie dieses Hinderniss zu beseitigen
, dieses Schloss zu knacken und dieser Rigel zu brechen sei .
Es gehört wohl zu meinen Lebensaufgaben , wenn ich ein Ziel erreichen
will , muß ich auch etwas dafür tun . Im gutem , wie im schlechten
! Auch früher , in meiner Jugend , war ich ein schlechter Dieb , aber
ein guter(guter?) Einbrecher gewesen .
Jedenfalls es machte mir Spaß . Die Vorfreude , auf die zu erwartenden
Kleinode , das basteln und brechen an Fenstern und Türen , das durchforsten
der Klamotten anderer Leute . Wie leben die ? Irgendwo im Hinterkopf , auch
immer die finanzielle Seite , aber eher Sekundär .
Wir stopften uns die Taschen voll und nahmen alles mögliche Krams mit
, was wir irgendwie versilbern konnten . Fernseher , Stereoapparate , Kameras
, Schmuck und versuchten es anschließend in irgendwelchen geneigten
Bars , wieder loszuwerden . Bald waren die Pinten um unser Revier gesättigt
mit unserem Zeugs und wir mußten nach anderen Umschlagplätzen
Ausschau halten .
Einen Junky , den ich kennengelernt hatte , erzählte mir , das man in
"Algeciras" , ne Menge loswerden könne . Natürlich wolle er etwas
abhaben . Schon klar und so gurkten wir nach Algeciras . Theo hielt sich
mal wieder vornehm zurück . Später begriff ich , das der Typ
einfach nur Schiss hatte und das Risiko scheute . Zurecht , denn Algeciras
ist ein heißes Pflaster . Die Stadt wird bewohnt von international
gesuchten Kriminellen , von Afrikanern , Gitanos und sogar richtigen
Spaniern . Die Währungen in dieser Stadt sind genauso vielfältig
und wenn man sich auskennt , dann kommen noch Autoradios und Haschischplatten
dazu .
Einmal , wir waren verabredet , mit einer Bande , die elektrische Geräte
gegen Shit eintauschen wollten , passierte etwas seltsames . Wir verabredeten
uns in einer illegalen Pinte , in einer der Vororte(Barrios) von Algeciras
. Diese behördlich nicht registrierten Kneipen , gibt es häufiger
in Spanien , vor allem in Gebieten , die vom Kapitalismus , noch nicht so
geküsst sind . Diese Trinktreffs haben natürlich , draußen
keine Reklame hängen . Die Leute wissen , wo diese Einrichtungen zu
finden sind .
In so einem Laden , der wohl auch der Gruppe gehörte , mit der wir uns
verabredet hatten , kamen wir also zusammen . Sie waren 5 Mann und hatten
hunderte von Mark , in spanischen Münzen . Was weiß ich aus welchem
Automaten , glaub jedenfalls nicht das sie das Gespart hatten . Zusammen
mit den von uns mitgebrachten Geräten , war das wohl soviel , das wir
das gegen ein Kilo besten Ketama eintauschen konnten und so sollte es auch
funktionieren . Von den ganzen Geschäften erfuhr ich erst vor Ort , war
aber einverstanden , denn erstens mag ich Shit , zweitens läß es
sich wesentlich besser händeln , wie so ein haufen Elektogeräte .
Der Haken an der Sache . Die , mit denen wir den Tausch , aushändeln
wollten , waren alte Bekannte , meiner neuen Companeros . Das aber nicht im
besten Sinne . Es hatte wohl immer wieder Streit gegeben und die "Anderen"
, hatten den Ruf , ihre Interessen auch mit Hieb- oder Stichwaffen
durchzusetzen .
Wir hatten also folgende seltsame Position zueinander . Keiner traute Keinem
. Die "5" waren eine Bande , das war klar . Mein Junki-Companero , war das
überhaupt mein Companero ? Oder macht er mit den "5" gemeinsame Sache
? Oder mit Theo , der nicht anwesend war ? Die "5" , hatten dafür den
Verdacht , das Wirbeide oder nur der Companero oder nur ich , ein Under-Cover
Agent der "Anderen" sind . In hitzigen Orten , wie Algeciras nun mal ist ,
ganz normaler Alltag .
Die Stimmung , in dem Laden , wurde immer elektrischer . Da tauchte ein
Vertreter der "Anderen" auf . Er stand oben vor der Kneipentür und
wartete dort auf einen von uns . Jetzt mußten sich die Verhältnisse
klären . Unsere irritierten und verunnsicherten Augen , trafen sich
alle in der Mitte . Mit einem Mal , wurde uns klar das wir Freunde sind ,
für diesen Moment , für diese Sache . Ohne ein Wort zu wechseln ,
trafen sich alle unsere Hände , in der Mitte über unseren Köpfen
. "Wir" waren geboren . Wir lachten uns an . Sollten die anderen doch
kommen .
Nun , sie bzw. er war schon da . Wir verabredeten noch ein paar Kleingkeiten
, dann stieg ich , die Treppen aus der Kellerkneipe , hoch an das Tageslicht
, wo der Vertreter der "Anderen" schon wartete .
Er war ein kräftiger Kerl , mit V-förmigen Kreuz und hatte eine
wilde Mähne . Sein Gesicht sah aus , wie aus einem "Sergio Leone"-Film
. Wirklich sehr beeindruckend .
Wir begutachteten den Bestand des Beuteguts , das sich in dem Käfer
stapelte . Dann zog er weiter , zu seinen Kumpanen , Bericht erstatten .
Während wir auf ihn warteten , wurde schon mal Überprüft ,
ob denn all die Getränke der Pinte , noch frisch waren . Irgendwann
kam die "Mähne" wieder , um uns zu erzählen , das aus dem Deal
nichts würde . Unsere Vermutung war , das die andere Gruppe , von
vornherein garnicht Handeln , sondern nur "Abziehen" wollten . Waren dann
aber doch von der Schlagkraft , ihrer Opfer überrascht gewesen und
wollten kein Risiko gehen .
Nun denn , es galt ja noch ein paar Getränke zu prüfen und dabei
unsere neue Kumpanei zu festigen .
Aber irgendwie mußte ich auch noch meine Geräte loswerden .
Am nächsten Tag , machten der Junky und ich , uns auf den Weg . Wieder
nach Algeciras . In ein Barrio . Es war ein Trabanten-Vorstädtchen und
nur über einen Schnellstraßen-Zubringer , zu erreichen . Wer sich
in Spanien auskennt , kann sich jetzt vielleicht schon vorstellen , was das
für eine Siedlung war . Dermaßen abgeschottet . Plattenbau pur .
Hier wohnten die ärmsten der Armen , dieses armen Bundeslandes Andalusia
.
Wir fuhren in diese Ansiedlung , bis mir der Kolege , vor einem Block
bedeutete anzuhalten und auf ihn zu warten . Gut also warten . Eine viertel
Stunde . Noch eine . Nach der nächsten , kommt der Typ endlich runter
und erzählt , das alles klar geht und wir nur noch ein bischen warten
müssen . Bis die richtigen , finanzkräftigen Leute , vorbeischauen
, die sich für unser Kram interessieren . Dann geht er wieder hoch .
Mittlerweile hatten sich einige Menschen , in der Nähe versammelt
und bestaunten meinen Käfer . Is in Spanien schon was besonderes , son
Volkswagen . Nachdem der Junky , schon wieder eine ganze Zeit , verschwunden
war , kamen auf einmal andere Typen , zu den schon Anwesenden . Junge Männer
und Jugendliche . Einige fuhren auf Mopeds und Mofas . Dann klingelte es in meinem
Köpfchen und die Erleuchtung fiel , wie die Schuppen , aus den Haaren
. Der Junky , hatte mich verkauft . Darum musste ich so lange warten . Bis
meine Henker eben da waren . Die wollten den schönen Käfer , nicht
nur angucken , sondern auch gleich besitzen . Die Scenerie um mich genauer betrachtend , viel
mir auf , das die einzige Straße , hinter mir , von den Mofas verrammelt
war . Vor mir , kam sie , nach ein paar hundert Metern , an einem , zu dem
Zeitpunkt
, ausgetrockneten Fluß an . Wo sie auch endete .
Um mich herum wurde es mir langsam zu mulmig . Das wurden immer mehr .
Kurzentschlossen drehte ich den Schlüssel und startete und wirklich , die
ganze Bande hinter mir her .
Grinsend hängte ich sie ab , doch sie
grinsten auch . Dachten sie doch , sie könnten mich unten am
Flußbett , wieder stellen . Diese ausgetrockneten Becken , kann man
öfters in Spanien sehen . Oftmals sind sie so eben , das darin Fußball
gespielt wird . Da ich von der Robustheit meines Käfers wußte ,
ließ ich mich auf das Wagniss ein und steuerte das Auto vorsichtig in
das Bett . Ein spanisches Gefährt , hätte das wohl auch nicht überstanden
, aber es war "Er" . Wieder mal war ich stolz auf ihn . Während wir
durch das Flußbett gurkten(in der Mitte fuhr es sich ganz leicht) ,
versammelte sich die Bande , hinter uns an der Böschung . Sie staunten
und schimpften hinter uns her . Irgendwann tauchte oberhalb des Flußes
wieder eine Straße auf . An einer günstigen Stelle , fuhren wir
das Ufer hoch , dann hatten wir wieder befestigten Boden unter den Reifen
. Es war der selbe Zubringer , der mich rechts zur Schnellstraße und
links , zurück in die Siedlung , bringen würde . Genau das machte
ich auch . Jetzt wurde ich feist und fuhr zum Block , in dem der Junky war
und wo die ganze Story
angefangen hatte . Wie vermutet , war niemand mehr auf der Straße .
Alle hatten sich verzogen . Kurz gehupt und da mußte ich auch nicht
mehr lang warten , wenig später war der Typ da . Normalerweise lügen
Junkys einem erste mal die Tasche voll , wenn irgendetwas schräg gelaufen
ist . Machte er nicht und brauchte er auch nicht . Es war eh alles klar .
Man konnte ihm noch nicht mal wirklich böse sein . Es war eben ein Junky
und die ziehen einen eben ab . Wenn sich ihnen eine Chance bietet . Sie sind
immer auf der Suche nach dem nächsten "Fuffi"(Fünfzigmarkschein)
, der ihre Schmerzen und ihre Gier lindern soll . Selber Schuld hatte ich
, wenn ich mich auf solche Leute einließ . Wir wechselten kein Wort
miteinander und am nächsten Tag , ging ich mit den Klamotten allein
auf Tour .
Irgendjemand hatte ich noch gefragt und der beschrieb mir den Weg , zu einer
Ortschaft in der fahrendes Volk lebt . Da würde ich unser Zeugs schon
loswerden . Dort angekommen , zeigte ich dem nächst besten , der mir dafür
geeignet schien , die Geräte und dann passierte mal wieder etwas erstaunliches
. Erstaunlich jedenfalls für so einen , sogenannten zivilisierten
Mitteleuropäer . Der Mann konnte zwar nichts von meinen Sachen gebrauchen
, verwies mich aber dennoch , zu jemanden , der wohl wollte und auch konnte
. So sollte es auch sein . Nachdem ich an der Haustür geklopft hatte
, öffnete sich diese und ein zu mir sehr freundlicher Mann , nahm einen
guten Teil und bezahlte ordentlich . Nicht nur das . Außerdem musterte
er den Rest , nur um mir eine Adresse sagen zu können , wo man das andere
Krams noch unterbringen kann . Wieder klappte es . Wieder wurde ich weitergeleitet
. In weniger als einer Stunde , war ich auf einmal , alles los . Abgefahren
. Anstatt ausgeraubt zu werden , wurde ich mit freundlicher Achtung behandelt
. Darüber habe ich lange Nachgedacht . Meine Erklärung : Trotz
meines anderen Aussehens(groß,blond) , hielten sie mich für
jemanden ihrer Rasse , der in finanzielle Not gekommen ist und dem deshalb
, unbedingt geholfen werden muß . Oder es war Räuberehre . Oder
ich weiß auch nicht .
Theo outete sich als immer schräger . Während wir auf unseren
Erkundungstouren, durch die Orte stromerten , forderte er mich mehrmals auf
, doch einfach welche der wenigen Urlaubsgäste , was auf die Glocke zu
hauen. Sprich Straßenraub zu begehen . Nicht mit mir . Abgesehen
davon , das Raub von den Ermittlern ganz anders angegangen wird , denn so ein
Bruch , nur um mich persönlich zu bereichern , brauche ich auf keinem
Fall , anderen Menschen wehtun . So weit war ich wohl doch schon entwickelt
.
Aber nicht nur das . Manchmal schliefen wir im Wagen und eines Nachts wurde
ich wach und wußte keinen Grund . Man weiß normal immer , warum
man wach wird . Die Spuren eines Alb verflüchtigen sich gerade , die
Blase drückt , der Wecker klingelt oder wir werden einfach gerade Wach
, weil unsere innere Uhr signalisiert , das Zeit zum aufstehen ist . Hatte
Theo irgendwas gedreht ? Seinen Atem überprüfend , wurde mir klar
, das das kaum Sinn macht . Er war ein erfahrener Knacki und wenn man jahrelang
mit anderen Kerlen , eine Zelle teilt , dann lernt man selber bestens , seinen
eigenen Atem zu kontrolieren und fremde zu analysieren . Vielleicht hatte
ich mich getäuscht , aber ich kenne auch meinen Instinkt
. Beunruhigt schlief ich wieder ein . Am nächsten Morgen , wurde mir
klar , das es an der Zeit war , sich von Theo zu trennen .
Ein paar Tage später . Wir beide hatten die Nächte , in einem
Armenhaus quartier gemacht . In diesen Einrichtungen schlafen Mittellose ,
aller Coleur , Säufer , Penner , rausgeflogene Ehemänner . In solchen
Häusern , kann man umsonst schlafen , allerdings nur 4 Tage . Es sind
immer Mehr- bis Vielbettzimmer .
Es war unsere letzte Nacht und wir mußten packen. Da sagte Theo zu mir
: "Die Sch... Marokkaner" , seine Bettnachbarn , "haben mir meine Knete
geklaut" . Hatten sie nicht . Theo war ein viel zu erfahrener Knacki , der
läßt sich nicht so einfach was stehlen . Ausserdem war mir schon
die ganze Zeit aufgefallen das Theo bunkerte . Wir teilten den Erlöß
unserer Beute , immer durch drei . Einen Teil bekamen jeweils wir beide ,
einen Teil bekam das Auto . Obwohl dieser Typ weder mehr aß , noch
länger saufen konnte , denn meine Wenigkeit , hatte er ständig ,
kein Geld . Dafür lag er dann der Reisekasse , auf der Tasche oder auf
meiner .
In diesem Moment wußte ich das ich mich , von ihm trennen würde
, noch heute . Von den verbliebenen Beutestücken , waren noch genau vier
, in meinem Besitz . Während wir unsere Sachen packten , stopfte ich
ihm alle 4 Stück , heimlich in seine Tasche . An die anderen kann ich
mich nicht mehr erinnern , aber ein Teil , machte es mir richtig schwer .
Von ihm zu lassen . Es war ein Fernrohr 8x50 , ziemlich alt , so mehrere
Jahrzehnte . Sein Glas war immer noch klar und supergut geschliffen . Bei
klarem Wetter , konnte ich damit , die Minarette , der Städte , des nur
wenige kilometer entfernten Afrikas sehen , phantastisch . Aber ich wollte
nichts mehr von den Sachen haben und so trennte ich mich schweren Herzens
von ihm .
Nachdem wir aus dem Armenhaus ausgescheckt hatten , suchten wir nach einer
Kleinigkeit zum beissen . Nach einiger Zeit , fanden wir , was wir suchten
, ein kleines Frühstückslokal , mit angenehmen Preisen . Zu Theo
sagte ich "Geh schon mal rein und bestell zwei Gedecke , ich lade dich ein
und will nur eben den Wagen wenden" . Zufrieden das er mit seinen Tricks
wieder durchkommt , stieg Theo aus dem Auto und ging in das Lokal. In der
Zwischenzeit wendete ich den Käfer . Dann griff ich mir die Tasche
von dem Österreicher und überlegte , ob ich das geliebte Fernrohr
nicht vielleicht doch an mich nehme . Bei mir würde es seinen Zweck
erfüllen , bei ihm wäre es nur Wertgegenstand . Aber nein , Stefan
sagte ich zu mir selber , du willst doch einen Abschluss schaffen , auch
Beherrschung gehört dazu . Also wurde die Tür meines Vehikels
geöffnet , dann stellte ich das Gepäckstück auf die Strasse
, hupte kurz , winkte Theo noch einmal zu und fuhr los .
Eine riesen Last
fiel von meinen Schultern . Zum Schluss hatten mir selbst die angenehmen
Sachen des Knackidaseins keinen Spass mehr gemacht . Dieser Typ konnte
einen echt alles verderben . Nie wieder wollte ich meinen Lebensunterhalt ,
auf diese Art und Weise verdienen . Sogar betteln war mir lieber .
Damals schnallte ich noch nicht so durchdringend , das die Götter mir
diesen Mistheini , wohl mit Absicht untergejubelt hatten , damit ich genau
zu dem Schluss komme . Denn ich hätte ja auch einen coolen Jungen zum
Partner bekommen können . Einen mit dem ich es Jahrelang ausgehalten
hätte .
Aber darum ging es nicht , es sollte und soll so sein , das euer Erzähler
lernt . Das Gute ! Denn es geht .
Um Theo machte ich mir keine Sorgen . Er war abgeklärt genug und kam
alleine klar . Auch wenn er lieber andere für sich arbeiten ließ
. Wahrscheinlich hatte er wesentlich mehr Knete als ich und böse Kerle
, solche mit denen er sich verstand , gibt es an jeder Kiez-Strassenecke ,
Theos Lieblingsrevieren .
Frohen Mutes machte ich mich auf den Weg , der Mispero entgegen .
Wir pflegten mittlerweile
die Früchte nicht nur, sondern pflückten
auch schon wieder. In Spanien wird das Obst, im Schnitt
ein bis zwei Monate früher reif. In diesem von der
Sonne verwöhntem Land, gibt es auch eine viel
größere Auswahl, wird die Erde nur ausreichend
bewässert. Das erste mal in meinem Leben, kam ich in
den Genuss, eines Granatapfels. Pflaumen in allen Farben
und Formen. Hast Du schon mal weiße Pflaumen gesehen?
So groß wie Eier. Überhaupt, das gesamte Steinobst
gab es in vielfältiger Auswahl. Pfirsich und Pflaume
z.B. ergibt eine Aprikose. Doch die Mischungen hierzulande
sind noch wilder, Aprikose plus Nektarine u.s.w..
Die Tage gingen ins Land, es wurde Ende Juni, da fragte
mich Ulla, ob ich denn Lust hätte, mit ihr nach Pamplona
zu fahren. Zur Fiesta.
sinco de Mayo, fünfter im Mai,
seis de Junio, sechster im Juni,
siete de Julio, siebter im Juli,
San Fermin, San Fermin,(das ist der Name, des Festes))
San Fermin, San Fermin
Aufgrund der ungeheuren Angesagtheit dieses Ereignisses, fragte
Ulla ob wir nicht schon ein paar Tage vor Beginn dasein wollten,
um uns ein bischen einzurichten und um die Stadt Pamplona, Land
und Leute in
ihrem Originalzustand kennenzulernen. Das war eine gute Idee, wie
wir noch feststellen sollten und so schlugen wir schon am 5ten
auf.
Die Stadt war schon gefüllt, aber noch nicht voll. Überall
wurde an Ständen gebastelt, Restaurante herausgeputzt und an
Attraktionen gebaut.
Einmal, ich ging gerade eine Straße herunter, da spürte
ich ein rythmisches Beben hinter mir. Nachdem ich mich umgedreht
hatte, sah ich das es ein großer, weißer und vor allem
dicker Mann war. Ein Ami und ich hatte schon gedacht, ein Elefant.
Dieses Erlebniss hatte ich noch ein paarmal, wenn Vertreter dieses
Volkes, hinter mir gingen. Sie sind so groß und fett, so viele
von ihnen. Fleisch und Zucker, überlegte ich und das erste mal,
während meiner spanischen Zeit, wurde mir bewußt, das auch
ich, wesentlich größer als der Durchschnitt dieses Landes,
ganz schön auffallend sein mußte.
Ein anderes mal, noch immer war das Gros der Besucher(weil vorm 7.7.)
nicht anwesend, spielten zwei junge Basken Pelota. Das ist ein Spiel,
bei dem ein Ball mit einem Schläger, der aussieht wie eine stark
gekrümmte Suppenkelle, gegen eine Wand gedroschen wird. Ähnlich
wie Squash. Es gibt auch eine Art, bei der nur mit der Hand gespielt
wird, also die Hände als Schläger benutzt werden. Das hat schon
manch blutige Greifwerkzeuge ergeben. Diese beiden spielten aber nicht
wirklich, sondern sie taten nur so. Sie spielten also praktisch
"Luft-Pelota". Nichtdesdotrotz versammelten sich viele Zuschauer und
jubelten den Protagonisten zu. Auch Ulla und ich. Die beiden jungen
Kerle, schnaubten und schnalzten mit der Zunge, um das aufklatschen des
Balles an die Wand oder auf den Boden, zu imitieren. Der Sieger dieses
"Nicht-Spiels", lies sich dann auch gebührend feiern und alle
waren der Meinung, das er ein hervorragendes Timing hätte.
Die wahre Attraktion, dieses Stadtfestes sind die Stiere, die morgens
um 7 Uhr, ab dem 7.7., jeweils
eine Stunde, durch die Straßen getrieben werden. Vor ihnen her
laufen Menschen, meist junge Männer, manche Hackenbreit und wer
zu langsam läuft oder von seinen Vordermännern aufgehalten
wird, kann leicht unter die Hufe geraten.
Regelmäßig gibt es dabei auch Tote, immer Verletzte und
hierzulande hätte man dieses Spektakel schon lange verboten.
Bei dem ganzen Run, sind die Gassen die von den Straßen abgehen,
abgesperrt. So das die Tiere und die vor ihnen weglaufenden Menschen,
schlussendlich alle in der Arena landen, in der die Stiere, abends
noch kämpfen müssen. Es sind immer 5-6 Kampfstiere, die
extra dafür gezüchtet wurden und dann noch mal an die 30
große Ochsen um das Gesamtbild etwas aufzufüllen.
Stierkämpfe,für uns Mitteleuropäer verpönt,
bei Spaniern und vielen Lateinamerikanern äußerst beliebt.
Zur Saison, kann man in jedem Fernseher, der irgendwo glimmert, Stiere
hinter Toreros herjagen sehen. In Südspanien, habe ich Städte
gesehen, die kein Fußballstadion aber immer eine Stierkampfarena
aufzuweisen hatten. Über dieses Thema, braucht man mit dem gemeinen
Spanier, auch garnicht erst ein Gespräch, in bezug zur Tierquälerei
anfangen. Selbst Hippys reagieren empört und erzählen einem
etwas von der Ehre des Stieres, die nur in einem Kampf, richtig gewürdigt
werden kann.
Nun , ich sehe das so. Ein Volk das seine Tiere und zwar millionenfach,
schon bei der Aufzucht quält, indem es die Tiere in viel zu engen
Boxen mästet und sie danach als gerade mal Pubertierende, zur
Schlachtung bringt(glaubt mir sie wissen das sie in dem Schlachthof
sterben werden, denn sie hören die Schreie ihrer Artgenossen und sie
riechen den Tot), kann sich nicht über andere beschweren.
Der spanische Kampfstier rennt über riesige Weiden, kann mit
seinen Kumpels richtig rumtoben und wenn er ein gewisses Alter erreicht
hat(da wo unser heimischer Ochse schon lange im Kochtopf gelandet ist),
wird er noch eine ganze Zeit trainiert, damit er schnell und wendig
wird.
Bevor sich also jemand beschwert, ist vielleicht ersteinmal die eigene
Position, als fleischessender Endverbraucher zu überprüfen.
Das für mich wahre Gesetz heißt "Du sollst nicht töten",
damit sind auch die Tiere gemeint und als Superfleischproduzenten und
millionenfache Mörder halbwüchsiger Lebewesen(die wie gesagt
schon in ihrer kurzen Lebensphase gequält werden),
gehören wir zu den letzten, die andere mit Worten wie Tierquälerei
gängeln dürfen!
Im übrigen gibt es auch eine Gegenveranstaltung, die wenige Tage vorher
stattfindet. Mehrere hundert Aktivisten, rennen, meist nur mit Hörnern
und roten Schärpen bekleidet, ebenfalls durch die Stadt.
Photosdavon
Ulla stieß zu uns. Keine Ahnung, wie
die mich unter 180.000 Einwohnern plus hunterdtausenden
Besuchern, wieder gefunden hat. Sie sagt, das sie einfach
mal in eine ruhigere Gegend wollte und dann diese Pinte
gesehen hat. Nun gut, mit mir könnt ihr es ja machen.
Jedenfalls hab ich jetzt wieder Pesetas und kann mich aktiv
daran beteiligen, den Tresen mit Gläsern vollzustellen.
Irgendwann kommt die Saxophonistin rein. Die hatte ich ein
paar Stunden vorher kennengelernt. Ein paar Stücke von
ihr, hatte ich mir angehört(sie war wirklich gut), bevor
ich meiner Wege zog. Sie war richtig hübsch, groß
für eine Spanierin und besaß lange
Straßenköterblonde Haare.
Wir hatten zwischen zwei Auftritten, heftig miteinander
geflirtet. Nun kommt sie auch noch herein. Langsam wird es
komisch. Bin ich ein Magnet? Niemanden habe ich gesagt, wo
ich hingehe.
Sie erkennt mich und stürzt freudig auf mich zu. Auch
ich freue mich, wir umarmen uns, wobei ich merke, das sie
mittlerweile nicht mehr allein ist. Heißt, sie hat
nen Trip(haluzinogene Droge) geklinkt. Nichts besonderes,
auf ner spanischen Fiesta. Außer Alkohol und Kif, tun
sie sich alles mögliche in den Kopf, um high, breit
oder sonstwas zu sein. Auf jedem zweiten Klo, kann man zu
einer Nase eingeladen werden.
So ein Trip, ist eine seltsame Sache. Er geht direkt in den
Schädel und öffnet Welten, von denen wir sonst
nur selten etwas mitbekommen. Man kann Sachen sehen, riechen,
hören, schmecken und vor allem fühlen, von denen
wir keine oder nur wenig Ahnung haben. Diese Welt ist real,
nur, den meißten von uns, wegen Beschränktheit,
verschlossen. In diesem Zustand, schwingen wir anders.
Es gibt übrigens ne menge Leute, die auf einem Trip,
ein UfO gesehen haben. Hm, könnte man sagen, ja, ja,
diese durchgeknallten, dann sehn se was. Es ist eher so, das
man nun in der Lage ist sowas zu sehen. Die Augen haben die
Möglichkeit, anders, schneller vielleicht, zu schauen.
Am meisten aber(jedenfalls bei mir) ist das Gefühl betroffen.
Von dieser "anderen Wirklichkeit". Beispielsweise schmeiße
ich jemanden ein böses Wort hinterher, mag es mich im
"normalen?" Zustand erfreuen, das ich getroffen habe. Unter
der Wirkung eines Trips, kann es sein, das ich mich stundenlang
gräme, ob meiner schlechten Tat. Die Welt ist wesentlich
gefühlvoller, als uns von Tier- und Naturmord verrohten
Wesen, bewusst ist.
Jedenfalls kommt dieses, vom Kosmos geküsste Wesen auf mich
zu und schmust heftig mit mir. Auf einmal bemerkt sie das Ulla wohl
zu mir gehört. Ihr Gesicht fällt ein und sie fängt an
zu weinen, darüber das sie sich so rücksichtslos zwischen
zwei Menschen stellt. Ulla und ich versuchen sie zu beruhigen, so nach
dem Motto, ist doch Party und wir wollen uns doch alle nur amüsieren.
Keine Chance, wenn jemand auf so ner "Reise" ist, dann lebt er aufgrund
seines erhöhten Bewußtseins, die Welt mit mehr Konsequenz.
Man weiss mehr, also kann auch das Bedürfniss, mehr zu tun
oder hehrer zu handeln, geweckt werden. Es ist eben nun mal so, das
man den Partner eines anderen nicht angräbt. In unserer maßlosen
und von lockerer Freizeitgestaltung, geprägten Welt, kann ein
offenes(?) Sexualverhalten als normal gelten. In Wirklichkeit ist
das anders. Einer wahreren und gefühlvolleren Welt anhaftend,
hat die Saxophonistin gesehen, das sie die Bindung zwischen
Ulla und mir stört und sich die Schuld gegeben. Obwohl ich wohl
der wahre Schuldige war. Aber das kann son Tripper eben oft nur schwer
auseinanderhalten. Es ist nicht einfach, mit einem beschränkten
Gehirn, aus einer beschränkten Welt, in ein Universum einzutauchen,
das eine größere Wahrheit und mehr Konsequenzen zu bieten
hat.
Irgendwann verschwand die Braut in den Tiefen der Kneipe und noch was
später gingen Ulla und meine Wenigkeit schlafen.
Die ganzen letzten Tage hatten wir bei Verwandten von Ulla genächtigt.
Jetzt aber hatten sich andere Bekannte angemeldet und wir mußten
weichen. Klar, alle Zimmer dieser Stadt waren vergeben, also gingen
wir zu einer großen Wiese, auf der tausende von Menschen lagerten.
Wir suchten uns ein freies Plätzchen und legten uns ab. Natürlich
forderte Ulla meine partnerschaftlichen Pflichten ein. So kam es, das
jemand sich aus meiner runtergelassenen(und dadurch sich leichter zu
bedienenden) Gesäßtasche, meine Brieftasche klaute.
Muß man sich mal vorstellen. Aber war nicht ganz so wild,
kaum noch Knete in der Börse.
Durch die ganze Aufregung kam ich endlich mal dazu früh
aufzustehen und wir erinnern uns, endlich mal das Stiertreiben
anzuschauen, das ja nur morgens um 7 in der Früh stattfindet.
Man kann sich das kaum vorstellen, 10-tausende von Besoffenen,
schaffen es tatsächlich, sich morgens an die abgesperrten
Straßen zu stellen. Es ist richtig was los und schwer sich
ein geeignetes Plätzchen zu erobern, von wo aus man auch
vernünftig gucken kann. Mit einem anderen Boratschero(besoffenen)
teilte ich mir einen, ca. 3 meter hohen Pfostenkopf. Jedem von uns
stand nur eine halbe Hinterbacke zur Verfügung. Mein Companero
konnte sich aber wenigstens an einer Hauswand festhalten. Wir
teilten unsere Getränke(Wein und Whisky) redlich und waren
trotz schmerzenden Allerwertesten, guter Dinge. Dann kamen sie.
Zuerst die schnellsten Läufer. Danach die nicht so schnellen,
gemischt mit den ersten schwarzen Kampfstieren. Wahnsinn, es gilt
als mutig, eine Zeit neben so einem Stier herzulaufen. Diese aber
finden das nicht so gut, da kann es einem schon passieren, das
man ein paar meter durch die Luft fliegt. Liegen die Protagonisten
dann auf der Erde, bleiben sie flach liegen und halten nur
schützend die Hände über den Kopf. Die Rinder
springen über die Liegenden und treten sie nicht. Erstaunlich
oder? Noch später kommen die langsameren der Läufer
und normale Ochsen und Jungstiere. Das ganze dauert gerade mal ein
paar Minuten, dann ist der Spuk vorbei. Viele der Touristen gehen
in die Arena, wo alles endet und abends die Kämpfe sind.
Mich aber zog es in die Stadt. Wir wollten am nächsten Tag
gen Heimat fahren, also noch mal ordentlich abpumpen.
Einer meiner liebsten Aufenthaltsorte dieser Tage war einer der
großen Plätze. Umsäumt von Gaststätten, steht
hier in der Mitte ein großer Pfeiler(Pilar), rund zehn meter
hoch. Unten ist es noch ein Brunnen, dann verjüngt er sich
nach oben immer mehr. Man kann gut an ihm hochklettern und das
tun dann auch viele. Ist man oben angekommen, springt man wieder
runter!?!
Kein Witz, das machen die wirklich. Sie breiten ihre Arme und Beine
aus und springen dann in das Volk. Ungefähr wie ein Bauchklatscher
im Freibad. Nur eben nicht ins Wasser, sondern in die Leute. Die
stehen bereit, in zwei Reihen gegenüber, bilden also ein Spalier.
Wobei sie sich die Hände halten. So das zwischen den beiden
Menschenreihen eine Matte aus Armen und Händen entsteht.
Genau da hüpfen die Springer rein. Die untenstehenden sind
meist Kumpels und Verwandte des Mutigen. Es bilden sich aber auch
freiwillige Reihen.
Gibt natürlich welche, die klettern hoch und trauen sich dann
nicht mehr zu springen. Das muss man mal gesehen haben. Diese
Typen werden gnadenlos mit Coladosen runtergeholt. Ehrlich, das
erzürnte Volk, wirft solange mit Gegenständen, bis der
beworfene doch springt oder fällt. Runterklettern schafft
kaum jemand, ist man erstmal oben, kann sich der Springer fast
nirgendwo mehr richtig festhalten und stürzt. Harte Sitten,
hatte ich schon erwähnt das ich die Basken liebe? Brauch
keiner ne große Klappe zu haben, wenn er das nicht halten
kann was er verspricht.
Zur Polizei musste ich noch. Nächtens vorher, als mir beim
guten alten "Rein- und Rausspiel" das Portmonaie geklaut wurde,
verschwand unter anderen auch mein Führerschein. Es galt also
Ersatz zu beschaffen. Selbstverständlich hatten die
Ordnungshüter, Stellen für solche Eventuallitäten
eingerichtet. Dort bekam ich ein Ersatzpapier, in welchem stand,
das ich obwohl ich keinen Führerschein habe, doch Auto fahren
darf. Diese "Ersatzpappe" hat mir später noch viel geholfen.
Nachdem ich mich wieder mit Ulla getroffen hatte, beschlossen wir
uns noch einmal zu reinigen. Die offiziellen Badehäuser
waren sämtlich überfüllt. Warteschlangen bis
Ultimo. Wir hatten aber von Duschen gehört, extra für
Touristen eingerichtet. Also hin da.
Es waren Massenduschen, gespeist mit dem kalten Felswasser der
Berge. 8 Grad sagte man uns. Sie hatten einfach Rohre mit
Duschköpfen verlegt und an Quellwasser angeschlossen. Um das
ganze, hohe Aufstellgitter mit Plastikplanen(Schamwände)
gestellt. Wir wurden immer zu ca. 30 Mann reingelassen. Nach
Geschlechtern getrennt. Beim warten konnte man gut die Kälte
hören. Am gestotter der vor uns duschenden. T t the wa wa
wa te ter i i is fu fu fucking co co cold. Die anderen Wartenden,
allesamt Amis und ich schauten uns an. So jämmerlich wollten
wir uns nicht präsentieren. Wir beschlossen wenigstens ein
Liedchen zu trällern. Dann wurden wir eingelassen.
Das Wasser war wirklich fu fu fucking co cold. Höchstens
6 Grad. Mehr noch vermuteten wir aber, das die Basken eine
Erfindung gemacht hatten, die es ermöglicht das Eis flüssig
zu halten. Mein Englisch ist nicht so besonders, aber ein Lied
kannte ich doch "When Jonny comes marching home again". Es war
herrlich. Wir standen mit 30 Mann und sangen stotternd und vor Kälte
bibbernd:"Wh wh when Jo Jo Jo Jonny ....". Kerle können ne
menge Spass haben wenn sie son Unsinn machen und dabei noch
widrigen Umständen trotzen. Auch witzig, unsere Nachfolger
die uns zwar hören doch nicht sehen konnten, waren voller
Unverständniss. Als sie eingelassen wurden und wir uns
abtrockneten, schauten sie uns nur fragend an. Sie
konnten sich
einfach keinen Reim darauf machen was wir da wohl veranstaltet
hatten.
Ulla und ich packten unsere Sachen und machten uns auf den Weg.
Unterwegs machten wir Rast, bei einem Teil ihrer Familie, irgendwo
in Aragon. Eine Verwandte hatte Geburtstag und so trafen sich die
Teile der Sippe, die in der Nähe wohnten oder gerade in der
Nähe waren(so wie wir), zu einem kleinen Umtrunk.
Die meisten von Ullas Verwandten waren Aragones und kamen hier
aus der Gegend. Wie viele der nördlichen Spanier, behaupteten
sie eigentlich Basken zu sein, die hier große Sympathien
genossen.
Die Häuser haben hier einen anderen Baustiel, als im
restlichen Espana. Nicht so viel Lehm, mehr Stein. Ist ja auch
ein anderes Klima, oben in den Bergen. Sieht ein bischen Alpenländisch
aus, aber nicht bayrisch, eher so Richtung Frankreich.
Nachdem wir so an die eineinhalb Tage Geburtstag gefeiert hatten,
fuhren wir beide endgültig in die Heimat, nach Fraga.
Abends kamen wir an und der gemeine Spanier, schmeißt
schnell seine Sachen in die Ecke und dann ab in die Gesellschaft.
So auch wir und trafen mit anderen Pamplona-Reisenden, in unseren
Stammkneipen aufeinander, wo wir uns dann unter großem
Hallo die erlebten Abenteuer auftischten.
Dann begann wieder der Enst des Alltags. Es war Mitte Juni, das
heißt hierzulande schon Erntezeit. Es gab viel zu tun und
das war auch gut so, wir musten unsere leergezechten Kassen wieder
auffüllen.
Auch der Apfel hatte jetzt Saison und so trudelten langsam aber
mit jedem Tag sicherer, die alten Kollegen ein. Unter Ihnen auch
Bassi. Das war schon seltsam, er der mich vor rund einem Jahr
eingeführt hatte, kam nun zu mir. Hm, jetzt war ich der
Förderer.
Fortsetzung folgt .